Erste Humaninfektion mit West-Nil-Virus in Deutschland

Populationen der Asiatischen Tigermücke überwintern inzwischen auch in Deutschland. Sie kann ab 27 °C das Zika-Virus übertragen. (Foto: © James Gathany, CDC)

Das West-Nil-Virus breitet sich mittlerweile auch in Deutschland aus. Während das Virus lange Zeit nur in Südeuropa nachgewiesen wurde, gibt es dieses Jahr in Deutschland die ersten Fälle bei Wildvögeln, mindestens einem Pferd und nun auch bei einem Tierarzt, wie Sabine Zange und Lothar Zoeller vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München berichten.

(pm) Im beschriebenen Fall handelt es sich um einen 31-jährigen Tierarzt, der eine, in einem Wildpark bei Poing verendete Eule (Strix nebulosa) seziert hatte. Bei der Eule konnte das West-Nil-Virus (WNV) mittels PCR nachgewiesen werden. Der Fall wurde am 14. September offiziell gemeldet.

Erkrankung drei Tage nach Sektion

Drei Tage nach der Sektion erkrankte der durchführende Tierarzt an grippeähnlichen Symptomen, die vier bis fünf Tage anhielten. Außerdem entwickelte er einen Hautausschlag. Nach einer Woche kam es zum erneuten Krankheitsausbruch mit Fieber. Einen Monat nach der Sektion nahmen die behandelten Ärzte eine serologische Untersuchung vor. Dabei fanden die Mikrobiologen der Bundeswehr spezifische IgM-Antikörper gegen das West-Nil-Virus (Titer 1:80) und die IgG-Antikörper gegen WNV und andere Flaviviren (Titer jeweils 1:640). Sie halten das Vorhandensein von monospezifischen IgM-Antikörpern gegen WNV und von IgG-Antikörpern gegen WNV und andere Flaviviren (Kreuzreaktionen) für ein typisches Phänomen einer frischen Infektion mit WNV.

Der Tierarzt war in seiner Kindheit mehrfach gegen FSME geimpft worden und hatte sich in 2012 gegen Gelbfieber impfen lassen. Diese Impfungen erklären aber nicht die Antikörper gegen WNV.

Wie sich der Tierarzt infizieren konnte, ist derzeit noch unklar. Denkbar wäre ein Kontakt von infektiösem Material mit den Konjunktiven des Arztes oder eine Verletzung mit einem kontaminierten Skalpell, wobei sich der Tierarzt nicht an ein solches Szenario erinnern kann.

Biphasischer Krankheitsverlauf

Der biphasische Verlauf der Erkrankung (zwei Fieberschübe im Abstand von rund einer Woche) sowie der Hautausschlag sind typische Krankheitsanzeichen für West-Nil-Fieber, häufig in Kombination mit Kopf- und Gliederschmerzen, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellungen, Erbrechen und Durchfall. In der Regel heilt die Erkrankung spontan aus und wird aufgrund der unspezifischen Symptomatik von den Patienten nicht als exotische Virusinfektion wahrgenommen. Wie immer bei Virusinfektionen kann es aber bei empfindlichen Personen zu dramatischen Krankheitsverläufen mit Todesfolgen kommen. Etwa einer von 150 Patienten entwickelt eine Meningitis, Encephalitis oder akute Lähmungserscheinungen (Paralyse).

Laut ProMED wurden in den EU-Mitgliedstaaten allein in der Woche zwischen dem 28. September und 4. Oktober 50 Infektionen bei Menschen registriert (Griechenland: 22, Rumänien: 19, Ungarn 7, Bulgarien: 1, Tschechien: 1).

2018 in der EU bereits 142 Todesfälle

Insgesamt wurden vom 1. Januar bis zum 4. Oktober 2018 1317 Erkrankungen und 142 Todesfälle (aufgrund des WNV) aus den EU- Mitgliedsstaaten gemeldet. Trauriger Spitzenreiter ist Italien (495 Fälle/36 Tote) gefolgt von Griechenland (283 Fälle/34 Tote) und Rumänien (256 Fälle/36 Tote). Aus Bulgarien, Tschechien und Serbien wurde erstmals von Erkrankungen berichtet, das deutet darauf hin, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Keine Therapie

Bisher gibt es keine wirksame Therapie gegen die Erkrankung, daher sollte in Risikogebieten Wert auf Mückenschutz (Sprays, Kleidung etc.) gelegt werden. In den USA wurde – erfolgslos – versucht, die Ausbreitung durch den intensiven Einsatz von Insektiziden zu stoppen. Mittlerweile arbeiten Forscher an einer Antikörper-Therapie.

 

Quellen direkt imText verlinkt

 

Apothekenumschau

Wikipedia

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