Tuberkulose bei Katzen durch Rohfleischfütterung

KatzeAbgemagerte, chronisch kranke Katze (Foto: © WiSiTiA/hh)

Großbritannien hat nach wie vor ein Problem mit Tuberkulose (Mykobakterium bovis) bei Rindern und Wildtieren. Ein Risiko auch Haustiere. 13 Rassekatzen infizierten sich über Katzenfutter mit rohem Wildfleisch.

(aw) – Im März 2017 mussten in Südengland 25 Jagdhunde einer Meute eingeschläfert werden, die sich über rohes Fleisch mit Tuberkulose angesteckt hatten. Nun berichtet Conor O’Halloran von der Royal School of Veterinary Studies (Edinburgh/Schottland) über 13 Tuberkuloseinfektionen bei Katzen in Großbritannien. Da sich fünf dieser Tiere zum Zeitpunkt der Vorstellung schon in einem extrem schlechten Zustand befanden, lagen von ihnen auch die gesicherten Obduktionsergebnisse vor.

Chronisches, therapieresistenes Fieber, Lethargie und Gewichtsabnahme

Normalerweise infizieren sich Katzen über Rohmilch erkrankter Kühe oder über die Jagd infizierter Nagetiere mit Tuberkulose. Solche Katzen sind überwiegend männlich und älter als zwei Jahre. Der vorliegende Bericht ist deswegen so interessant, weil junge Rassekatzen, die ausschließlich im Haus gehalten wurden und nie Rohmilch erhalten hatten, betroffen waren.

Die 13 Katzen zeigten alle ähnliche Symptome: chronisches Fieber, Lethargie, Inappetenz, Gewichtsverlust, erhöhte Atemfrequenz, Keuchen und Husten. Die meisten Probanden waren bereits erfolglos mit Antibiotika vorbehandelt. Röntgenbilder ergaben bei allen Tieren noduläre Veränderungen im Lungengewebe oder vergrößerte Lymphknoten im Bauchraum. Knotige Hautveränderungen, die ebenfalls ein typisches Anzeichen für eine Tuberkuloseerkrankung sind, wurden im vorliegenden Fall selten gefunden.

Katzenfutter mit rohem Wildfleisch

Mit M.bovis kontaminiertes Wildfleisch zur Rohfütterung (Screenshot Journal of Feline Medicine and Surgery, 8/2019)

Alle Katzen hatten eine Gemeinsamkeit: Sie wurden mit Katzenfutter der selben Marke (natural instinct) gefüttert, die auf BARFen, also die Fütterung von rohem Fleisch spezialisiert ist. Drei Katzenbesitzer besaßen noch Reste des Produkts und bei allen drei Proben der Geschmacksrichtung Wild konnten die schottischen Kollegen M. bovis nachweisen. Die Firma nahm das Produkt daraufhin sofort aus dem Sortiment.

Die Therapie von Tuberkulose bei Katzen kann mit einer Kombination aus drei verschiedenen Antibiotika versucht werden und zwar mit den Wirkstoffen Pradofloxacin, Azithromycin und Rifampicin. Tuberkulose ist eine Zoonose, daher könnten sich Besitzer an ihren Katzen anstecken. Ein Therapieversuch sollte daher in Absprache mit dem Hausarzt erfolgen.

Beurteilung der geschossenen Wildtiere oft schwierig

Die Tatsache, dass in der vorliegenden Fallbeschreibung Wildtiere für die Weitergabe der Erkrankung verantwortlich sind, weist auf eine Schwachstelle in der Fleischbeschau hin. Je nachdem wo ein Wildtier erlegt wird, kann es sein, dass Jäger den Aufbruch (Innereien) direkt vor Ort belassen. Das reduziert das Gewicht werden und es muss nur der restliche Körper des Tieres abtransportiert werden.  Jäger müssen die Innereien zwar auf Abweichungen vom normalen Zustand kontrollieren, doch im Falle einer noch nicht weit fortgeschrittenen Tuberkulose-Infektion ist ein Erkennen der Krankheit unter Umständen nicht möglich. Außerdem kann die Begutachtung der Organe durch schlechte Lichtverhältnisse erschwert sein.

Keine Gefahr bei erhitztem Futter

Deutschland gilt als tuberkulosefrei, eine Infektion von Katzen durch rohes Fleisch ist bei uns so gut wie ausgeschlossen. Von erhitztem Fleisch geht ohnehin keine Gefahr aus, da M.bovis thermolabil ist. Wer seine Katze mit rohem Fleisch ernähren möchte (barfen), sollte sich am besten genau erkundigen, woher das Fleisch in dem Futter stammt.

Quellen im Artikel verlinkt

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Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
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