Tierschutzbund fordert Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung von Hunden

herrenloser HundHerrenlos aufgefundener Jagdhund, per Microchip identifiziert und zurückgebracht (Foto: ©WiSiTiA/aw)

In Deutschland sind nach Einschätzung des Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) immer noch viel zu wenig Heimtiere mit einem Mikrochip gekennzeichnet und registriert. Dabei ist eine eindeutige Identifikation von Hunden oder Katzen gerade im Falle eines Verlusts ein großer Vorteil für alle Beteiligten, da Tier und Besitzer schneller einander zugeordnet werden können. Auch der Tierschutzbund weist anlässlich des Welthundetages auf die Wichtigkeit der Registrierung von Hunden hin.

Pressemeldung des Tierschutzbundes im Wortlaut:

Zwar ist ein großer Teil der Hunde hierzulande bereits in einem Haustierregister registriert und kann damit im Ernstfall einem Halter zugeordnet werden, doch bislang obliegt die Entscheidung zur Registrierung oft allein dem Hundehalter. Nur in wenigen Bundesländern besteht eine Pflicht. Doch diese Regelungen sind nicht einheitlich und reichen auch nicht immer weit genug, da sie ihren Fokus nicht auf die Rückvermittlung entlaufener Tiere legen, sondern auf die Erfüllung ordnungspolitischer Maßnahmen.

Dies ist nur einer der Gründe, warum das vor mehr als zwei Jahren gegründete Expertennetzwerk „Kennzeichnung und Registrierung“, ein Arbeitskreis bestehend aus den Tierschutzbeauftragten der Länder sowie Experten aus den Bereichen der Tiermedizin, der Transpondertechnologie, der Haustierregister und des Tierschutzes eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland fordert.

„Eine bundeseinheitliche Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und auch Katzen ist die Lösung für zahlreiche Tierschutzprobleme“, sagt Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landesbeauftragter für Tierschutz des Saarlandes und Leiter des Netzwerks „K&R“. „Mit einer solchen Pflicht könnte zum Beispiel endlich effektiver gegen das illegale Aussetzen von Heimtieren sowie den illegale Welpenhandel vorgegangen werden.“ Zudem würden durch die schnelle Rückvermittlung von Fundtieren Tierheime und Kommunen deutlich entlastet werden. Willimzik: „Der Welthundetag ist eine gute Gelegenheit, dieses Thema in den Fokus zu rücken und entsprechende Regelungen endlich auf den Weg zu bringen.“

Das Konzept Registerverbund
Für die Umsetzung hat das Netzwerk „K&R“ auch bereits ein Konzept parat. In einigen EU-Mitgliedstaaten gibt es bereits Modelle mit mehreren Registern, die in einem einzigen Datenbanksystem miteinander vernetzt sind. Eine solche Lösung wäre laut den Experten auch eine optimale Lösung für Deutschland. So könnte auf mehr als zehn Millionen bereits registrierte Tiere aus den bestehenden Registern zurückgegriffen werden, ohne diese Daten kostenintensiv und mit hohem administrativem Aufwand erneut zu erheben. Die mit hohen Kosten verbundene Einrichtung und Verwaltung einer neuen Datenbank würde bei einem solchen Modell entfallen. Lediglich die Entwicklung eines Webservices, dem alle Register im Verbund angeschlossen sind, wäre vonnöten. Tierhalter oder Finder von entlaufenen Tieren sowie öffentliche Stellen wie Städte, Gemeinden oder die Polizei könnten nach diesem Modell über individuell angepasste Abfragemöglichkeiten ihre Anfragen stellen. Darüber hinaus wäre ein solches System kompatibel mit einer europaweiten Kennzeichnung von Hunden und Katzen, wie sie vom Europaparlament seit Jahren gefordert wird.

Das Netzwerk K&R
Das Netzwerk „Kennzeichnung und Registrierung (K&R)“ ist ein interdisziplinärer Arbeitskreis von Experten unter der Leitung des Landesbeauftragten für Tierschutz des Saarlandes, Dr. Hans-Friedrich Willimzik. Ziel ist die Einführung einer Rechtspflicht zur Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen in Deutschland. Bislang ist Deutschland hier Schlusslicht in Europa, zusammen mit vier weiteren Mitgliedstaaten. Die gravierenden Probleme, wie beispielsweise der illegale Welpenhandel, die stetige Zunahme von Straßenkatzen sowie überfüllte Tierheime, können nur mit einer stringenten europaweit und national harmonisierten vollständigen Rückverfolgbarkeit von Tierhaltern und Heimtieren gelöst werden.

Weitere Hintergrundinformationen zur Arbeit und den Mitgliedern des Netzwerks „K&R“ sind auf der Internetseite www.heimtierverantwortung.net zu finden.

Ende Pressemeldung Tierschutzbund

 

Check meinen Chip

Auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) setzt sich für die Kennzeichnung von Heimtieren ein. Bereits zum zweiten Mal fand im vergangenen September die Aktion “Check meinen Chip”statt. Dabei sollen die Tierbesitzer motiviert werden, die Mikrochips ihrer Tiere auf Funktionsfähigkeit überprüfen zu lassen und gleichzeitig die Kontaktdaten auf den neuesten Stand zu bringen. Außerdem möchte der Berufsverband erreichen, dass Tiere, die bisher lediglich eine Tätowierung im Ohr besitzen, ebenfalls einen Mikrochip erhalten und entsprechend registriert werden. Durch einen Chip und aktuelle Daten ist das Zuordnen entlaufener Tiere schnell möglich und Tierheime werden entlastet. Außerdem erleichtert ein Chip die Grenzformalitäten im Falle eines Urlaubs oder Umzugs sowie eventuelle Kontrollen durch ein Ordnungsamt.

Quellen direkt im Text verlinkt

 

Teilen
Über den Autor

Redaktion wir-sind-tierarzt.de

Unter dem Autorennamen "Redaktion wir-sind-tierarzt.de" veröffentlichen wir überwiegend kurze/aktuelle Nachrichten, die im Redaktionsalltag entstehen. Ein Namenskürzel am Textanfang weist ggf. näher auf den zuständigen Redakteur hin: jh – Jörg Held / hh - Henrik Hofmann / aw – Annegret Wagner Kontakt zur Redaktion: zentrale(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)