Equine Rezidivierende Uveitis: Pupillenweitstellung wichtigster Therapiebestandteil

(Foto: © Vortrag Prof. Gerhards Bay. Tierärztetage 2017)

Die auch Mondblindheit genannte Equine Rezidivierende Uveitis (ERU) kommt in Schüben. Wichtigster Bestandteil der Therapie ist die Pupillenweitstellung mit Atropin. Das gefürchtete Kolikrisiko ist dabei vernachlässigbar. Ein kurzes Therapie-Update.

von Annegret Wagner

Bei der Equinen Rezidivierenden Uveitis (ERU) wechseln sich akut-schmerzhafte Schübe mit beschwerdefreien Phasen ab. Die aufgrund ihres Krankheitsverlaufs auch Mondblindheit genannte, serofibrinöse, nicht granulomatöse Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea) und benachbarter Strukturen ist schon lange bekannt. Doch weil wichtige Aspekte bei der Therapie oft zu wenig berücksichtigt werden, hat Prof. Dr. Hartmut Gerhards von der LMU München, die Therapieoptionen auf den Bayrischen Tierärztetage 2017 noch einmal aufgelistet.

Mit der Zeit kommt die Erblindung

Die ERU ist eine Krankheit, bei der sich akut-schmerzhafte Schübe mit beschwerdefreien Phasen abwechseln. Doch da sie chronisch-rezidivierend verläuft, kommt es mit der Zeit durch die Zerstörung intraokularer Strukturen zur Erblindung und zur Atropie und Schrumpfung des Augapfels (Phtihsis bulbi). Ursache der Krankheit sind in erster Linie eine Leptospireninfektion oder autoimmune Erkrankungen (z.B. Ponies, Tigerschecken).

Wichtigste Notfallmaßnahme: Weitstellung mit Atropin

(Folie: © Vortrag Prof. Gerhards Bay Tierärztetage 2017)

Die Therapie muss daher verschiedene Aspekte berücksichtigen:
Ein akuter Anfall ist ein medizinischer Notfall. Hier gilt es zunächst die Beschwerden zu lindern und eine irreversible Trübung durch die Bildung von Synechien und Ablagerungen von Entzündungsprodukten zu vermeiden. Dies gelingt am besten durch die Weitstellung der Pupille mittels Atropin. Dieses gibt es handelsüblich in Form von 0,5 % igen Tropfen, die halbstündlich so lange appliziert werden müssen, bis es zu einer maximalen Pupillenerweiterung gekommen ist. Danach kann die Atropingabe je nach Effekt wieder gedrosselt werden. Besser als die handelsüblichen Tropfen wirken speziell in der Apotheke angefertigte Augensalben mit einem zweiprozentigen Atropingehalt, die nur stündlich angewendet werden müssen.

Prof. Gehards betont, dass die Pupillenweitstellung der wichtigste Bestandteil einer erfolgreichen Therapie ist. Viele Kollegen scheuten Atropin, da es zu Koliken führen kann, doch bei entsprechender Fütterung sei dieses Risiko normalerweise vernachlässigbar.

 

(Folie: © Vortrag Prof. Gerhards Bay Tierärztetage 2017)

Augenpräparate bei Bedarf injizieren

Weitere Maßnahmen im akuten Krankheitsfall sind

  • die Gabe von dexamethasonhaltigen Augenpräparaten (intaktes Korneaepithel!),
  • die systemische Gabe von NSAIDS, am besten Phenylbutazon
  • und das Vermeiden von hellem Licht (Boxenruhe oder dunkles Fliegennetz).

Wenn eine regelmäßige Gabe der Augenpräparate nicht möglich ist, können die entsprechenden Medikamente eventuell auch subkonjunktival injiziert werden.

Auslöser Leptospiren – Glaskörper entfernen

Wird die ERU nachweislich durch Leptospiren verursacht, dann empfiehlt es sich, nach etwa drei Schüben während eines entzündungsfreien Intervalls den Glaskörper zu entfernen (Trans-Pars-Plana-Vitrektomie). In diesem Falle hilft nämlich auch keine – in Deutschland ohnehin nicht zugelassene (siehe unten) – Implantation von Cyclosporin A-haltigen Arzneimittelträgern. Bei erblindeten Pferden mit schmerzhaften Kranheitsschüben können auch intravitreale Injektionen mit Antibiotika und/oder Glukokortikoiden vorgenommen werden, falls keine Vitrektomie in Frage kommt.

(Folie: © Vortrag Prof. Gerhards Bay Tierärztetage 2017)

Interessante Therapien nicht zugelassen

Im Falle einer autoimmunbedingten Uveitis wäre die Anwendung eines Implantats mit Cyclosporin A sinnvoll, wobei diese Implantate mittlerweile nicht mehr intravitreal sondern suprachoriodal plaziert werden können. Doch sind die Implantate in Deutschland nicht zugelassen.

Humanmediziner bringen beim Makulaödem Dexamethason-haltige Implantate intravitreal ein. Doch auch diese sind in der Tiermedizin noch nicht zugelassen. Sie könnten aber gerade für die Behandlung der Tigerschecken-Uveitis interessant sein.

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Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
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