Baden-Badener Fortbildungstage 2017: Erster Eindruck

Überquellende Säle sprachen für sich: Vorträge und Referenten begeisterten bei den Baden-Badener Fortbildungstage.

Für ein Resümee ist es zu früh. Doch der erste Rückblick auf den gerade zu Ende gegangen Baden-Badener Fortbildungstage fällt gut aus: Die “Generalüberholung” des Kongresses wurde gut angenommen, gemachte Fehler korrigiert, neue Schritte gegangen. Und der Deutsche Preis für Tiermedizin war ein riesiger Erfolg.

von Henrik Hofmann

Lange Jahre galt Baden-Baden als angestaubt, fachlich eher schwach. Ja, und manchen sogar die Party als seichtes “Rentnerprogramm”. Ein Blick aufs Publikum zeigte aber: Hier hat sich ein Generationswechsel vollzogen, der Kongress zieht wieder viele junge, motivierte Kollegen an. Die zwei Programm-Schienen “up-to-date” für Experten und “konkret” für Allgemeinpraktiker traf exakt den Nerv des Publikums. Die Entscheidung zwischen den beiden Schwierigkeitsgraden beziehungsweise Themenbereichen war einfach und wohl kaum einer hat eine einzige Minute bereut. Einzelne Seminare wurden mehrfach wiederholt – und waren trotzdem ausgebucht.

Hunde können Menschen “lesen”

Treppenleben mit Hund: Der erfahrene Kongressbesucher bringt ein paar Hundekettchen mit.

Treppenleben mit Hund: Der erfahrene Kongressbesucher bringt ein paar Hundebettchen mit.

Seit langem lädt Veranstalter Enke auch nicht-Tierärzte zu interdisziplinären Vorträgen ein. Biologin Juliane Kaminski berichtete im Rahmen der Keynote-Vorträge über die einzigartige Beziehung des Hundes zum Menschen. Sie stellte die Frage, ob uns der Hund versteht und führte durch faszinierende Untersuchungen. Etwa wie weit sich der Hund vom Wolf entfernt und dem Menschen angenähert hat. Hunde können den Menschen “lesen”, seine Mimik und Gestik interpretieren und sind zu erstaunlichen Leistungen im Stande. Sabine Schroll ergänzte das Thema mit Aspekten zum Umgang mit Angst bei Hunden in der Praxis.

VETtalk: Generationswechsel anerkennen

Auch berufspolitisch war einiges los in Baden-Baden. Vor allem Berufsanfänger trafen sich beim VETtalk unter dem Motto “Was macht Mitarbeiter zufrieden?”. Es wurde unter der Leitung von Carolin Deiner diskutiert, wie Konflikte vermieden werden, wie “Wertschätzung von Mitarbeitern” (oder das Gegenteil) aussieht.

Einige Teilnehmer des VETtalks: Therapiebedarf und -Optionen beim Thema Arbeitszufriedenheit. (Foto: © Deiner)

Wer dachte, dass es hier um “Arbeitgeberschelte” und “quengelnde Anfänger” geht, hatte sich allerdings getäuscht. Im Gegenteil: Die jungen Kollegen sagten von sich aus, dass sie “eigentlich nur wissen, wie es nicht sein sollte” und waren sehr interessiert an der Arbeitgeberposition. Einmal mehr zeigte sich, dass das Gespräch wichtig ist, denn – wie eine Klinikinhaberin es ausdrückte – “die ganz jungen Kollegen sind schon eine andere Generation mit anderen Ansprüchen”. Diesen Generationenwandel anzuerkennen, wurde als einer der wichtigsten Faktoren herausgearbeitet, wie der Arbeitgeber Wertschätzung gegenüber seinen Mitarbeitern zeigen kann. Die jungen Kollegen sind es leid, dieses “das war schon immer so” und “wir mussten früher auch 60 Stunden arbeiten” zu hören.

Deutscher Preis für Tiermedizin

Für Veranstaltungsleiter Martin Schäfer war es ein lange gehegter Wunsch. Für die Jury eine Herzensangelegenheit. Für viele Skeptiker völliger “Quatsch”: Der Deutsche Preis für Tiermedizin, kurz DPTM. Vergeben wurde er in fünf Kategorien, zwei davon wurden von der Deutschen Tierärzteschaft vergeben, die übrigen von der Jury. Durch den festlichen Gala-Abend führte der Profi-Moderator Chris Brow.
“In unserer kleinen Tierärztewelt”, sagt Juror Roland Börner, “wurde erstmals eine direkte Verbindung zwischen Industrie und Praxis gebildet, wo der Tierarzt direkt seine Meinung spiegeln kann. Das gilt insbesondere für den Unternehmensservice!” (Alle Preisträger siehe unten).

“Totale Entspannung!”

Erfahrungen der letzten Jahre haben immer wieder gezeigt, dass der Bedarf für psychologische Themen hoch ist – die Resonanz in Seminaren aber schwach ausfällt. Dass das anders geht, belegte der Kurs “Schnelle Selbsthilfe bei Stress und Burn-Out”: Er war gleich an vier Terminen ausgebucht. Hier lernten Tierärzte und Tiermedizinische Fachangstellte unter der Leitung von Coach Hans-Georg Schäfer Entspannungstechniken, die immer und überall leicht durchzuführen sind.. Nach seinen Erwartungen befragt, sagte ein Teilnehmer zu Beginn launig “totale Entspannung!”. Nach dem Gefühl befragt, das die Teilnehmer nach der Veranstaltung empfanden, waren sie sich einig: “Total entspannt!”
“Wir hätten auch weitere Seminare doppelt veranstalten können”, so Schäfer. “Die Kardiologie war zum Beispiel enorm gefragt. Das hätte aber zuletzt den Rahmen gesprengt.”

“Beste Party ever!” – Bühne Baden-Badener Fortbildungstage 2017 (Foto: © WiSiTiA/hh)

Hey, und eines möchte ich mal noch persönlich kommentieren: Als nach der Preisverleihung der Moderator auch noch seine Band auf die Bühne holte und bis in die frühen Morgenstunden Praktiker, Industrie, TFAs und Studenten mit allerallerbester Tanzmusik vereinte und förmlich zum Tanzen “zwang”, war klar: Das war die beste Party – ever!

Preisträger des Deutschen Preises für Tiermedizin

Den Deutschen Preis für Tiermedizin verlieh der Enke Verlag im Rahmen der Baden-Badener Fortbildungstage in fünf Kategorien:

Beste Kampagne:

Gold für den "Besten Unternehmensservice" ging an Boehringer Ingelheim

Gold für den “Besten Unternehmensservice” ging an Boehringer Ingelheim

  • Gold: Osurnia, Elanco
  • Silber: Kampagne Faktor X, Vidalta, MSD
  • Bronze: V-Pet, IDT

Bester Unternehmensservice:

  • Gold: Bohringer Ingelheim
  • Silber: Albrecht
  • Bronze: MSD Tiergesundheit

 

Unumstrittene Siegerin in der Kategorie "Bester Praxisauftritt": Kollegin Dr. Eva Röhrig (Bild: privat)

Unumstrittene Siegerin in der Kategorie “Bester Praxisauftritt”: Kollegin Dr. Eva Röhrig (Foto: privat)

 

 

Bester Praxisauftritt:

Sonderpreis für die positive öffentlichkeitswirksame Darstellung des tierärztlichen Berufsstandes für das TV-Format „Hautnah – die Tierklinik“ an die Tierklinik Lüneburg, den Sender VOX und die Produktionsfirma Fandango

 

 

Begeistert von den Leistungen der Praxen war auch Kollege Stefan Gabriel: “Toll! Nur wer sich aus dem Fenster lehnt, kann auch gesehen werden!”

Bester Messeauftritt:

  • Gold: Hill´s
  • Silber: Zoetis
  • Bronze: Selectavet

Ein besonderes high-light war die Verleihung des Preises für den besten Messestand durch Birgit Schulte. “Ich bin froh”, sagte sie, “dass der Preis für den besten Messeauftritt nicht von der Jury, sondern der deutschen Tierärzteschaft vergeben wurde. Denn zu den Preisträgern zählt: Hill’s!” Das Unternehmen, für das Kollegin Schulte viele Jahre gearbeitet hat und dessen “Gesicht” sie bis heute verkörpert.

Bestes Praxisteam:

  • Gold: Tierärztliche Fachpraxis Am Klinkerberg
  • Silber: Tierklinik Lüsche
  • Bronze: Die Tierärzte – Bokius Ewert Steinhauser

Kollegin Antje Blättner wies bei der Verleihung des Preises an das beste Praxisteam noch einmal darauf hin, wie sehr sich die Tiermedizinischen Fachangestellten in den Wettbewerb mit eingebracht hatten.

Offenlegung: wir-sind-tierarzt-Redakteur Henrik Hofmann ist (ehrenamtliches) Jurymitglied des Deutschen Preises für Tiermedizin 2017 und (unentgeltlicher) Podiumsteilnehmer beim VETtalk.

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Über den Autor

Dr. Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann (hh) betreibt seit 1995 eine eigene Tierarztpraxis in Butzbach. Er ist Fachtierarzt für Allgemeine Veterinärmedizin und hat die Zusatzbezeichnung Akupunktur. (www.tierundleben.de) Als Autor und Redakteur hat Hofmann in etlichen Zeitschriften und Zeitungen rund ums Tier geschrieben. Bei wir-sind-tierarzt.de betreut er schwerpunktmäßig Medizinthemen, den Bereich Praxismanagement und die Rubrik Mensch-Tierarzt. Außerdem steuert er die SocialMedia-Aktivitäten und leitet die Bildredaktion. Zuletzt ist sein Buch „Tieren beim Sterben helfen – Euthanasie in der Tierarztpraxis“ erschienen. Kontakt: henrik.hofmann(at)wir-sind-tierarzt.de
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Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

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Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)