Schlachtbefund: Embolisch-metastatische Pneumonie

Gesunde Füße aussen, kranke Füße innen ... (Foto: © WiSiTiA/Henrik Hofmann)

Bei der Lebendbeschau in der Gruppe war nichts aufgefallen. Doch der Schlachtkörper brachte zu Tage: Das Schwein litt an einer schweren Klaueninfektion. Mit fatalen Folgen. Ein Fallbeispiel aus der Schlachttierkontrolle.

von Henrik Hofmann

Es hätte wahrscheinlich schon bei der Lebendbeschau auffallen müssen, dass das Schwein nicht gesund war. Es war “schlank” und die beiden hinteren Füße geschwollen und gerötet. Vielleicht hatte man gedacht, es sei eine frische Verletzung. Wie so manchmal im “Eifer des Gefechts”… am Ende jedenfalls erwies sich das Schwein als komplett genußuntauglich.

Vom “Primärherd” in den ganzen Körper

 Schlachtbefund verfärbte Klauen

Nach dem Schlachten nicht zu übersehen: Schwere Infektionen an den Füßen. (Foto: © WiSiTiA/Henrik Hofmann)

Bei der Besichtigung (und in unserem Kreis auch dem Anschneiden) der Lunge fiel sofort ins Auge, dass das Schwein eine Lungenentzündung hatte. Das Lungengewebe war durchsetzt von unzähligen, in etwa gleich großen, cirka 0,5 cm messenden Abszessen. Die Untersuchung des dazugehörigen Schlachtkörpers brachte dann Gewissheit: Die beiden hinteren Klauen waren stark entzündet und durch das Brühen nach dem Schlachten schwarz verfärbt.
Der zugehörige Inguinallymphknoten deutlich vergrößert, also aktiv. Ein sicheres Anzeichen, dass der Infekt nicht mehr nur lokal ist, sondern “gestreut” hat: Über das Blut werden Eiterreger vom sogenannten “Primärherd” in den ganzen Körper verteilt.

Schwein veränderte Lymphknoten

Veränderte Lymphknoten weisen auf einen Infekt im Einzugsgebiet hin. (Foto: © WiSiTiA/Henrik Hofmann)

Sepsis bei einem Schwein, Schlachtbefund Lunge

Vermutlich durch abgeschwemmte Keime hervorgerufen: Infektion der Lunge. (Foto: © WiSiTiA/Henrik Hofmann)

In etwa gleich große Abszesse

Diese sogenannte “embolisch-metastatische Pneumonie” wird durch typische Eitererreger wie Streptokokken, Staphylokokken, Arcanobacterium pyogenes, E. coli und selten durch Salmonellen hervorgerufen. Im Gegensatz zur eitrigen Bronchopneumonie sind bei der embolisch-metastatischen Pneumonie die Abszesse in etwa gleich groß. Der Grund dafür ist, dass die Erregerstreuung zum gleichen Zeitpunkt beginnt. Abszesse finden sich auch in Nieren, ZNS, Milz und anderen Organen. Sehr häufig verlaufen solche Infektionen tödlich. Betroffen sind vor allem junge Tiere mit geschwächte Abwehr.

Konsequenzen: Ganzes Schwein genußuntauglich

“Was, das ganze Schwein muss in die Tonne?”, fragten die erstaunten Metzger.
Gut, dass es in Schlachtbetrieben so engmaschige, konsequente Kontrollen durch Tierärzte gibt, dachte ich. Und sagte: “Ja!”

Literatur: Vallant, Farbatlas der Schlachttierkörper-Pathologie…”, Enke

Teilen
Über den Autor

Dr. Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann (hh) betreibt seit 1995 eine eigene Tierarztpraxis in Butzbach. Er ist Fachtierarzt für Allgemeine Veterinärmedizin und hat die Zusatzbezeichnung Akupunktur. (www.tierundleben.de) Als Autor und Redakteur hat Hofmann in etlichen Zeitschriften und Zeitungen rund ums Tier geschrieben. Bei wir-sind-tierarzt.de betreut er schwerpunktmäßig Medizinthemen, den Bereich Praxismanagement und die Rubrik Mensch-Tierarzt. Außerdem steuert er die SocialMedia-Aktivitäten und leitet die Bildredaktion. Zuletzt ist sein Buch „Tieren beim Sterben helfen – Euthanasie in der Tierarztpraxis“ erschienen. Kontakt: henrik.hofmann(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)