Buchtipp: In 90 Fragen durch das gesamte Arzneimittelrecht

"Hilfreiche Zusammenstellung häufiger Fragen und klarer Antworten zum Arzneimittelrecht für Tierärzte – Buchrezension von Dr. Cornelie Jäger. (Foto: © Jäger)

Das Arzneimittelrecht für Tiere birgt eine Reihe von Fallstricken. Konzentriert arbeitet sich ein neues Fachbuch durch die komplexe Materie der aktuellen Rechtslage. Gegliedert in 90 Fragen und Antworten, erlaubt es auch mal ein rasches Nachschlagen. Eine Buchbesprechung von Dr. Cornelie Jäger

Gastbeitrag von Dr. Cornelie Jäger*

Unsere Gastautorin Dr. Cornelie Jäger war bis Mitte 2017 Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg. (Foto: © privat)

„Das Arzneimittelrecht für Tierärzte ist ein wahrer Dschungel. Man kann es der Überwachung ohnehin kaum recht machen.“ So denken sicherlich viele Kolleginnen und Kollegen in den Tierarztpraxen landauf und landab. Das ist durchaus nachvollziehbar, zumal die rechtlichen Regeln für den Umgang mit Tierarzneimittel irgendwo im Arzneimittelgesetz und den vielen dazugehörigen Verordnungen versteckt zu sein scheinen.

Lange Zeit gab es kein praxisorientiertes Lehrbuch oder Nachschlagewerk zu diesem Thema. Inzwischen sind es gleich zwei, die versuchen, die sperrige Materie des Arzneimittelrechts speziell für Tierärztinnen und Tierärzte in der Praxis zugänglicher zu machen.

Meine Rezension bezieht sich auf das Buch des in Fachkreisen bekannte Rechtsanwaltes Jürgen Althaus. Er hat sich auf tierärztlich relevante Rechtsbereiche spezialisiert und will praktische Antworten rund um die Arzneimittelabgabe, die Apothekenprüfung und dazugehörige Haftungsfragen geben.

90 Antworten, 200 Seiten, 60 Euro

Insgesamt 90 Fragen stellt und beantwortet Althaus in den 13 thematisch gegliederten Abschnitten des etwas über 200 Seiten umfassenden Buches zum Preis von knapp 60 Euro. Er beginnt dabei mit grundlegenden Aspekten des (Tier-) Arzneimittelrechts und den Voraussetzungen des tierärztlichen Dispensierrechts bzw. der Arzneimittelabgabe. Es folgen unter anderem Kapitel speziell zu Antibiotika oder zum Erwerb und Versand von Präparaten, zu den Dokumentationspflichten und zur Apothekenführung. In den letzten Abschnitten befasst sich der Autor mit der Überwachung des Arzneimittelverkehrs, den möglichen Folgen einer Apothekenkontrolle und haftungsrechtlichen Auswirkungen bei fehlerhafter Medikation.

Juristischer Tonfall

Beispiele für die Fragen, die bearbeitet werden, sind: „Was versteht man unter Therapienotstand?“ oder „Was versteht man unter Abgabe auf Vorrat“ oder „Darf ein Arzneimittel zur eigenen Behandlung oder zur Behandlung eines Angehörigen erworben werden“ oder „Welche Straftatbestände sind in der Praxis von Bedeutung?“. Alle Fragen werden knapp, aber gut verständlich und zutreffend beantwortet.
Bedauerlich ist, dass sich der Autor nur wenig von der Art entfernt, wie in juristischen Texten üblicherweise formuliert wird. Das hat zwar den Vorteil, dass die Antworten auf die Fragen übersichtlich gehalten werden können, erfordert aber vom Leser die Bereitschaft, sich auf diesen Tonfall einzustellen.
Vereinfacht wird das Lesen dagegen durch viele nachvollziehbare Beispiele und hilfreiche Praxistipps. Darüber hinaus enthalten viele Antworten deutlich gekennzeichnete Merksätze und Zusammenfassungen für Eilige oder zur Auffrischung.

Was ist mit der Herstellung von Arzneimitteln?

Leider wird ein Themengebiet, das erfahrungsgemäß im Rahmen der Überwachung von tierärztlichen Hausapotheken immer wieder zu Anzeigen führt, allenfalls ansatzweise gestreift: Die eigentliche Herstellung von Arzneimitteln durch Tierärzte und die sehr engen Grenzen dafür.

Konzentrierte Darstellung der Rechtslage

Die gewählte Art der Darstellung im Frage-Antwort-Modus bietet zwei große Vorteile für dieses in Tierarztkreisen unbeliebte Themengebiet. Der Autor erspart sich und den Leserinnen und Lesern langwierige Erklärungen, die sich aus der Entstehung des Arzneimittelrechts oder den jahrelangen politischen Debatten ergeben. Stattdessen stellt er konzentriert den Hintergrund und die aktuelle Rechtslage beim Umgang mit Arzneimitteln für Tiere dar. Der zweite Vorteil ist, dass dieses Buch problemlos abschnittsweise anhand der interessierenden Fragen zu Rate gezogen werden kann und nicht dazu zwingt, es vollständig zu lesen.

Ausführlicheres Stichwortverzeichnis fehlt

Der Nachteil dieser Darstellungsweise ist, dass Begriffe und vor allem Abgrenzungen wie beispielsweise „Verschreibungspflicht“, „Apothekenpflicht“ und „Freiverkäuflichkeit“ oder „Zulassung“ und „Registrierung“ nicht zusammenhängend erklärt werden. Hilfreich wären zudem Querverweise auf andere Fragen gewesen, wenn beispielsweise zunächst erklärt wird, dass Pferde lebensmittelliefernde Tiere sind, und erst bei einer anderen Frage völlig korrekt dargestellt wird, welche arzneimittelrechtlich relevanten Untergruppen von Pferden es gibt. Andererseits ergeben sich gelegentlich Wiederholungen bei Erläuterungen, weil die einzelnen Antworten auch getrennt voneinander vollständig sein sollen. Wünschenswert wäre außerdem ein etwas ausführlicheres Stichwortverzeichnis gewesen, in dem dann auch Begriffe wie „Kennzeichnung“, „Gebühren“ oder „Nullbeleg“ aufgetaucht wären.

Fazit: Empfehlenswerte Anschaffung

Alles in allem ist das Buch eine erfreuliche Neuerscheinung und empfehlenswerte Anschaffung. Es handelt sich um eine hilfreiche und taugliche Zusammenstellung häufiger Fragen und klarer Antworten, die ein rasches Nachschlagen erlauben. Druckbild, wechselnde Farben und Hervorhebungen im Text unterstützen die Leser. Es besteht also die Hoffnung, dass dieses Buch dem einen oder der anderen das Nachlesen sperriger arzneimittelrechtlicher Inhalte erleichtert.

Erschienen am 11. Oktober 2017:
Jürgen Althaus
Arzneimittelrecht für Tierärzte**

Praktische Antworten rund um Arzneimittelabgabe, Apothekenprüfung und Haftung
Enke Verlag, Stuttgart – ISBN-13: 978-3132409675
Preis: 59,99 €

*Unsere Gastautorin Dr. med. vet. Cornelie Jäger ( Ammerbuch-Entringen) war bis Mitte 2017 Landestierschutzbeauftragte in Baden-Württemberg


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