Vorsichtige Entwarnung beim tödlichen Hundedurchfall in Norwegen

herrenloser HundHund mit Durchfall (Foto: ©WiSiTiA/aw)

In Norwegen wird seit einigen Wochen bei Hunden eine hohe Zahl an Durchfallerkrankung beobachtet. Rund 40 Todesfälle werden damit in Zusammenhang gebracht. Die Behörden gehen aber inzwischen nicht mehr von einer besonders ansteckenden Erkrankung aus. Auch die Zahl der Fälle sei rückläufig.

Beitrag aktualisiert: 29.9.2019

(aw/jh) – Die Leitsymptome dieser Erkrankung sind blutiger Durchfall und blutiges Erbrechen sowie ein schnell fortschreitender Krankheitsverlauf. Aber trotz der Dramatik aufgrund der Todesfälle, scheint die Erkrankung nicht besonders ansteckend zu sein. Selbst in Haushalten mit mehreren Hunden ist in der Regel nur ein Tier betroffen, während die anderen Tiere gesund bleiben. Das zeigen die bisherigen Ermittlungen.

Bisher rund 170 Fälle

Bis zum 20. September hat die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Mattilsynet), die auch für Tiere zuständig ist diese Durchfallsymptome bei rund 170 Hunden festgestellt. Insgesamt 42 Todesfälle ordnen die Behörden dieser Erkrankung inzwischen zu.

Behörden sagen: Kein hochansteckendes Geschehen

Nachdem zunächst ab Mitte August steigende Zahlen erkrankter Tiere gemeldet wurden, sagen offizielle Stellen inzwischen, dass die Zahl der Erkrankungen sinkt.
Sie sehen auch kein besonders ansteckendes Geschehen:
Die bisher ausgwerteten Informationen zeigten, dass die Erkrankung nicht hochinfektiös sei.
Die größten Fallzahlen wurden in Bezirken in Ostnorwegen nachgewiesen, in denen auch die Hundedichte hoch ist. Das Veterinärinstitut und die Norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit gehen davon aus: Wäre es eine besonderes ansteckende Krankheit, hätten in diesem Gebiet noch mehr Hunde erkranken müssen.

Deshalb hat Mattilsynet inzwischen auch die Empfehlung widerrufen, vorsorglich den Kontakt zwischen Hunden unbedingt zu vermeiden.

Wahrscheinlicher Auslöser: Providencia alcalifaciens

Bei Untersuchungen war Pathologen aufgefallen, dass die Darmschleimhaut der gestorbenen Hunde massiv geschädigt war, vor allem die oberen Schichten.
Auch wenn die Ursache noch nicht endgültig geklärt ist, sieht das norwegische Veterinärinstitut einen Zusammenhang zwischen den Durchfallerkrankungen und einer Infektion der Hunde mit dem Bakterium Providencia alcalifaciens. Es wurde sicher bei 50 der erkrankten Hunde nachgewiesen.
Bei 22 der betroffenen Hunden erfolgte inzwischen eine Genomsequenzierung der Bakterienproben. In 14 Fällen wurde dabei eine
nahezu identisch zusammengesetzte DNA gefunden. Die Proben stammen alle aus einer Region.

Weitere Untersuchungen mit mehreren Providencia-Bakterienstämmen sollen zeigen, ob und wie das Bakterium die Darmwand durchdringen und Darmschäden verursachen kann.
Zusätzlich wird weiter überprüft, ob es andere Gemeinsamkeiten wie Alter, Rasse, Fütterung, Kontakt mit anderen Hunden, Gebieten und dergleichen gibt. Da aber Tiere aus fast 90 Hunderassen betroffen sind, gelten Rasseeinflüsse als sehr unwahrscheinlich.
Um das Krankheitsgeschehen noch besser beurteilen zu können, haben die Behörden Fragebögen an rund 2.000 Tierärzte verschickt. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, da die Rücklauffrist erst am 29.9. endet.

Diese Ursachen gelten als ausgeschlossen:

Veterinärinstitut und die Mattilsynet glauben aber, aufgrund der bisherigen Untersuchungen die folgenden möglichen Ursachen ausschließen zu können:
Parvovirus, Circovirus, Coronavirus, Giardia- und Cryptosporidium-Parasiten, Anthrax, EHEC, Hasenpest (Tularämie), Welpenkrankheit, die Bakterien Campylobacter und Salmonella, Hefepilz. Auch Gifte, z.B. Algenvergiftungen und durch Zecken übertragene Krankheiten seine  unwahrscheinlich, wobei naturgemäß nicht alle Arten von in der Natur vorkommenden Toxinen ausgeschlossen werden könnten.

Vorsichtsmaßnahmen

Die Behörden sind  der Auffassung, dass die Hunde sich eventuell durch verunreinigtes Wasser aus Pfützen oder Bächen infiziert haben könnten. In den vorausgegangenen Wochen hat es in Norwegen außergewöhnlich viel geregnet.

Ole-Herman Tronerud, Leiter der Abteilung Tiergesundheit der Behörde für Lebensmittelsicherheit hat auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes einige Ratschläge für Hundebesitzer zusammengefasst, die weiterhin gelten:

  • Hundebesitzer müssen selbst beurteilen, ob ihr Hund gesund ist und keine Gefahr für andere darstellt. Das gilt besonders beim besuch von Hundewiesen, Hundeschulen, etc. .
  • Hunde mit Durchfallsymptomen sollen Kontakte (gegenseitiges Beschnüffeln) mit anderen Hunden vermeiden …
  • trotzdem sollten die Tiere die nötige Bewegung und Zeit an der frischen Luft erhalten.
  • Auch Kontakt zum Kot anderer Hunde sollte man weiter vermeiden. Kot sollte in Kotbeuteln gesammelt und über Mülleimer entsorgt werden.
  • Es gilt die Empfehlung, Hunde an der Leine führen und nicht aus Pfützen trinken zu lassen.
  • Bei ersten Anzeichen von blutigem Durchfall sei sofort ein Tierarzt aufzusuchen …
  • … aber man solle den Tierarzt/die Tierklinik vorher informieren, damit sie sich auf den Patienten vorbereiten kann.
  • Ansonsten seien die Impfempfehlung des Tierarztes zu befolgen und Hunde regelmäßig gegen bekannte Durchfallerkrankungen impfen zu lassen (z.B. Parvovirose).

Nicht auf Menschen übertragbar

Bisher gibt es keinerlei Hinweise, dass die Erkrankung von Hunden auf Menschen übertragen wird.
Anfragen der norwegischen Behörden haben außerdem ergeben, dass diese Form der Durchfallerkrankung beim Hund in den Nachbarländern und auf den Faröer-Inseln bislang nicht beobachtet wurde.
Deutsche, die mit ihren Hunden Urlaub in Norwegen machen möchten, sollten sich an die obigen Empfehlungen halten und sicher stellen, dass ihre Hunde nicht aus Pfützen oder Bächen trinken.

Quellen:
im Artikel verlinkt

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