Vet-Labore werden Corona-Testkapazitäten erweitern

Obwohl Deutschland im europäischen Vergleich sehr viele Tests auf das Coronavirus SARS-CoV2 durchführt, reichen die Kapazitäten nicht aus. Veterinärmedizinische Labore könnten helfend einspringen und rund 70.000 zusätzliche Tests pro Woche durchführen, sagt der Bundesverband praktizierender Tierärzte. Nachdem entsprechende Angebote zunächst abgelehnt wurden, ist jetzt entschieden, die Vet-Laborkapazitäten zu nutzen.

veröffentlicht: 26.3.2020 – 10:49 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27.3.2020 – 12:15 Uhr:
Verschiedene Medien – etwa NTV – melden, dass sich Bund und Länder darauf geeinigt haben, die Corona-Testkapazitäten deutschlandweit durch die Nutzung von Laboren aus der Tiermedizin zu erhöhen.
Im ersten Schritt werden staatliche Labore eingebunden (s. 2. Absatz). Regional liegen bereits auch Anfragen bei privaten Vet-Laboren vor.

(bpt/PM) – „Unser aller Ziel muss es sein, das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren und damit Menschenleben zu retten. Ein Schulterschluss zwischen Human- und Tiermedizin wäre deshalb mehr als sinnvoll“, unterstreicht Dr. Siegfried Moder. Der Präsident des Bundesverbandes der praktizierenden Tierärzte (bpt) appelliert: Wenn die Corona-Pandemie schnell bekämpft werden soll, dann müsse das Bundesgesundheitsministerium eine gangbare Regelung finden, Veterinär-Labore in die Testinfrastruktur einzubinden.

Testkapazität für 70.000 Tests pro Woche

Veterinärmedizinische Labore könnten Kapazitäten bereitstellen und vermutlich rund 70.000 zusätzliche Tests pro Woche durchführen, heißt es in der bpt-Mitteilung. Allein der Tiergesundheitsdienst Bayern und ein auf Veterinärdiagnostik spezialisiertes Unternehmen aus Niedersachsen hätten zusammen freie Kapazitäten für mindestens 1.200 zusätzliche Tests pro Tag. Hinzu kommt eine Reihe weiterer privater tierärztlicher Labore und Lebensmittellabore.
Auch die Landeslabore und Veterinärmedizinischen Untersuchungsämter haben Kapazitäten. So stellt das CVUA-Stuttgart (Baden-Württemberg) aktuell die Laborarbeit um und kann bis zu 200 Tests pro Tag abwickeln. In NRW werden die Landeslabore in Arnsberg, Detmold, Krefeld und Münster ab 30. März nach und nach in das Testsystem der Gesundheitsämter eingebunden. Sie können zunächst insgesamt 1.500 Proben pro Tag untersuchen.

Abrechnungsgrundlage für Krankenkassen fehlt 

Allerdings – das zeigen auch Medienberichte z. B. hier – wurden entsprechende Angebote bisher nicht angenommen. Obwohl der Präsident des Robert-Koch-Instituts schon mehrfach auf diese Erweiterungsmöglichkeit hingewiesen habe, bewege sich laut bpt bislang nichts (Stand 25.3.2020). Ein Grund dafür scheint die fehlende Abrechnungsgrundlage für die Kassenärztlichen Vereinigungen zu sein.
Inzwischen gibt es aber Absprache, erste Vet-Labore werden ab 30.3.2020 humanmedizinische Proben testen.
Die labortechnische Versorgung der Tiere ist weiter gesichert. Durch die Ausgangsbeschränkungen und die dadurch reduzierte tiermedizinischen Behandlungen, sind Kapazitäten frei.

Testen, testen, testen – der Schlüssel zur Pandemiebekämpfung

Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind neben den bereits verhängten Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Coronavirusübertragung vor allem zusätzliche Tests der Schlüssel zum Erfolg. In Südkorea habe sich diese Strategie als überaus erfolgreich erwiesen. Sie dient jetzt als Blaupause für andere Länder. In Deutschland seien hingegen die derzeitigen Testzentren heillos überlastet, heißt es in der bpt-Meldung.  

Quelle:
Pressemeldung des bpt vom 26.3.2020

Pressemeldung Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg (26.3.2020)

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Über den Autor

Jörg Held

Jörg Held (jh) ist Journalist, Kommunikationswirt und Redaktionsberater mit 30 Jahren Berufserfahrung. Seit 2007 auch im Bereich Tiermedizin unterwegs, davon 5 Jahre als Redaktionsleiter der VETimpulse. Auch bei wir-sind-tierarzt.de leitet er die Redaktion und ist schwerpunktmäßig für berufspolitische Themen und die Nachrichten verantwortlich. Kontakt: joerg.held(at)wir-sind-tierarzt.de
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