Streit um kulturellen Wert der Brieftauben

"Schützenswerte Tradition" oder Ausbeutung? Um die NRW-Idee, das Brieftaubenwesen zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zu machen, gibt es Streit. (Foto: © Kampagnenmotiv Deutscher Tierschutzbund)

Dürfen Brieftauben zum immateriellen Weltkulturerbe werden? NRW möchte das “Rennpferd des kleinen Mannes” auf die UNESCO-Liste setzen. Der Deutsche Tierschutzbund widerspricht: Brieftauben würden gedopt, ausgebeutet und müssten leiden – es handele sich daher um keine schützenswerte Tradition.

(aw) – Die Brieftaube als das “Rennpferd des kleinen Mannes“ umschreibt recht zutreffend die Faszination um die Tauben und ihre Wettflüge. Nordrhein-Westfalen – wo traditionell die meisten Züchter und Halter von Brieftauben in Deutschland aktiv sind – möchte dass das Brieftaubenwesen Teil des immateriellen UNESCO-Weltkulturerbes wird. Das immaterielle Kulturerbe umfasst kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz, Musik, Theater, aber auch Bräuche, Feste und spezielle Handwerkskünste.

UNESCO-Liste: Orgelbau und Falknerei

Auf der repräsentativen UNESCO-Liste befinden sich bis jetzt aus deutscher Sicht das Genossenschaftswesen, Orgelbau und -musik sowie die Falknerei. Das Brieftaubenwesen muss zunächst auf die Liste eines Bundeslandes genommen werden und kann dann eventuell über die nationale Liste international anerkannt werden.

Tierschutzbund kritisch

Der deutschen Tierschutzbund sieht das kritisch und hat sich nun in einem Schreiben an die UNESCO gewandt. Für die Tierschützer werden die Tauben für die Wettkämpfe ausgebeutet und an ihre Leistungsgrenze gebracht. Dies ist nach Auffassung des Tierschutzbundes nicht gesetzeskonform, denn im Tierschutzgesetz heißt es ausdrücklich, dass Tieren keine Leistungen abverlangt werden dürfen, die sie nicht erbringen können. Der Tod der Brieftauben durch Windräder, Strommasten, Beutegreifer oder Wetterbedingungen werde auf solchen Flügen aber in Kauf genommen.
Tauben, die sich verfliegen oder erschöpft aufgefunden und in Tierheime gebracht werden, seien für die Besitzer wertlos. Diese nähmen die Tiere nicht zurück oder töten sie nach Wiedererhalt. Daher bleiben die Tauben häufig in den Heimen und verursachen dort Kosten, die die Allgemeinheit tragen muss, beklagt der Tierschutzbund.

Wachsende Zahl von Stadttauben

Ein weiteres Problem entsteht, wenn sich die verirrten Brieftauben Stadttauben anschließen und so deren Populationen vergrößern. Insgesamt überwiegen in der Brieftaubenhaltung nach Auffassung des Deutschen Tierschutzbundes die negativen Aspekte und daher handele es sich nicht um eine schützenswerte Tradition.

Quellen:
NRW-UNESCO-Pläne
Kritik Deutscher Tierschutzbund

Beitragsfoto: Kampagnenmotiv “Respekt Taube” © Deutscher Tierschutzbund

Teilen
Über den Autor

Redaktion wir-sind-tierarzt.de

Unter dem Autorennamen "Redaktion wir-sind-tierarzt.de" veröffentlichen wir überwiegend kurze/aktuelle Nachrichten, die im Redaktionsalltag entstehen. Ein Namenskürzel am Textanfang weist ggf. näher auf den zuständigen Redakteur hin: jh – Jörg Held / hh - Henrik Hofmann / aw – Annegret Wagner Kontakt zur Redaktion: zentrale(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)