H5N6-Geflügelpest trifft Arche-Projekt mit gefährdeten Vogelarten

Geflügelpest in einem Archeprojekt für gefährdete Vogelrassen (Foto: Pommerngänse / © Arche Hallig Süderoog)Geflügelpest in einem Archeprojekt für gefährdete Vogelarten (Foto: Pommerngänse / © Arche Hallig Süderoog)

Der erste Fall der hochansteckenden H5N6-Gegflügelpest in einer deutschen Geflügelhaltung trifft einen Kleinbestand: Auf der Hallig Süderoog mussten 57  Hühner, Puten, Enten und Gänsen getötet werden. Es ist ein Arche-Projekt, das sich dem Erhalt gefährdeter Vogelarten widmet.

(jh) – Es ist der erste Nachweis in diesem Winter in einer deutschen Geflügelhaltung – das Friedrich-Loeffler-Institut hat als nationales Referenzlabor für Aviäre Influenza das hochansteckende H5N6 Geflügelpestvirus in einer Kleinhaltung auf der Hallig Süderoog in  Schleswig-Holstein bestätigt. Die betroffene Haltung im Kreis Nordfriesland hat einen besonderen Charakter: Es ist ein Arche-Hof, der sich dem Erhalt seltener Nutzgeflügelarten widmet.
Auf Facebook berichtet das Arche-Projekt, von “schwarzen Tagen”: “Nun müssen alle unsere auf der Roten Liste stehenden, gefiederten Tiere getötet werden. Zu diesen gehören unsere Ramelsloher Hühner gelber Farbschlag (extrem gefährdet), unsere Aylesburyenten (extrem gefährdet), unsere Pommernenten blauer und schwarzer Farbschlag (gefährdet), unsere Pommerngänse (unter Beobachtung) und unsere Bronzeputen (stark gefährdet)… Dass das Ende nun so schnell und so bitter kommen soll . . . zieht uns einfach den Boden unter den Füßen weg.” Insgesamt wurden 57 Tiere getötet.

Bisher hatte das H5N6-Virus in Deutschland zuvor nur eine Tafelente im Landkreis Dachau infiziert. Es kursiert aber in sechs anderen europäischen Ländern.

Aktueller Stand der H5N8-Ausbrüch in Europa. Bisher sind mehr Wildvögel (punkte) als Geflügelhaltungen (Dreiecke) betroffen. (Karte: © FLI)

Aktueller Stand der H5N8-Ausbrüch in Europa. Bisher sind mehr Wildvögel (punkte) als Geflügelhaltungen (Dreiecke) betroffen. (Karte: © FLI)

H5N6 trifft bisher überwiegend Wildvögel

Der erste Nachweis des hochpathogenen aviären Influenzavirus (HPAI) des Subtyps H5N6 erfolgt im Dezember 2017 in den Niederlanden. Seit Jahresbeginn gab es eine Reihe weiterer HPAI H5N6-Nachweisen bei Wildvögeln und in Hausgeflügel insbesondere in Nordeuropa. Betroffen waren England, die Niederlande und Schweden, aber auch Dänemark, Irland und Bulgarien meldeten Fälle. Zuletzt waren häufig Raubvögel infiziert: Bussarde (IR/NL);  ein Falke in den Niederlanden und mehrere Adler (IR/SVE/DK).
In den Niederlanden sind allerdings auch Entenmastbetriebe betroffen, die schon beim Seuchenzug der Vogelgrippe in 2016 beteiligt waren.

Nach bisherigen Untersuchungen handelt es sich in allen Fällen nicht um das derzeit in Südostasien auftretende H5N6-Virus, das zu Humaninfektionen geführt hat.

43 H5N8-Ausbrüche bei Nutzgeflügel in Italien

Dafür weist der in Europa aufgetretene Subtyp H5N6 große genetische Ähnlichkeit zum hochansteckenden H5N8-Virus auf, das im Winter 2016/2017 in Europa Millionen tote Tiere zur Folge hatte. Bisher gab es in vier Ländern H5N8-Fälle; in Bulgarien und Italien auch in kommerziellen Geflügelhaltungen.
Besonders Italien ist seit Sommer 2017 weiter von H5N8-Ausbrüchen betroffen – bislang insgesamt 43 (Stand 6.3.2018), zuletzt in einer Haltung mit 95.000 Legehennen in Bergamo.

Quelle:
Aktueller Fall in Deutschland: Pressemeldung Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein
Übersicht Deutschland – Webseite des FLI
weitere Quellen im Artikel verlinkt

Teilen
Über den Autor

Jörg Held

Jörg Held (jh) ist Journalist, Kommunikationswirt und Redaktionsberater mit 30 Jahren Berufserfahrung. Seit 2007 auch im Bereich Tiermedizin unterwegs, davon 5 Jahre als Redaktionsleiter der VETimpulse. Auch bei wir-sind-tierarzt.de leitet er die Redaktion und ist schwerpunktmäßig für berufspolitische Themen und die Nachrichten verantwortlich. Kontakt: joerg.held(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)