Amtstierärztlicher Dienst auf verlorenem Posten?

Tierschutzkontrolle bei einem Schweintransport – der Bundesverband beamteter Tierärzte fordert mehr Personal für wachsende Aufgaben. (Symbolbild: © PolizeiVerden)

Geflügelpest, mehr Tierschutzkontrollen aber auch illegaler Welpenhandel – die Aufgaben für Amtstierärzte werden immer umfangreicher. Die Personalschlüssel in den Ämtern wachsen allerdings nicht mit. Der Bundesverband der beamteten Tierärzte sieht die Amtstierärzte schon fast auf verlorenem Posten.

(PM/BbT/jh) – Die Geflügelpest und die ständige Zunahme von Tierschutzproblemen bringe es an den Tag: “Es gibt ein erhebliches Personaldefizit in allen Bereichen der öffentlichen Veterinärverwaltung.” Das haben die Mandatsträger des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte (BbT) erneut auf ihrer Frühjahrstagung in Bad-Stadffelstein festgestellt. Ihre Pressemeldung überschreiben sie mit: Amtstierärztlicher Dienst auf verlorenem Posten?

Öffentliche Hand erfüllt Fürsorgepflicht nicht

Die bisherige Hoffnung, dass die Personalverantwortlichen in den Kreisen, kreisfreien Städten und Ländern im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht längst überfällige Schritte einleiten, habe sich leider nicht erfüllt. Deshalb habe der BbT ein eigenes Projekt zur Personalbedarfsermittlung auf den Weg gebracht.
“Nach unserer Ansicht ist es zwingend erforderlich, die bewährten Strukturen der integrierten Ämter in den unteren Verwaltungsbehörden massiv zu stärken,” erläutert Präsident Dr. Holger Vogel. “Wir sind der Auffassung, dass diese Organisationsform die beste ist, um den vielfältigen Anforderungen an unseren Beruf gerecht zu werden.”

Gewissensentscheidung “Welpenquarantäne”

Illegaler Welpenhandel – wenn Behörden dagegen vorgehen, kann das am Ende auch zu Ermittlungen gegen ein Veterinäramt führen. (Foto: ©VierPfoten international)

Eine der Herausforderungen ist der wachsende illegale Welpenhandel. Wenn Privatpersonen kuschelige Welpen aus dem Ausland kaufen, bedenken sie dabei oft nicht, dass die Einfuhr einen sicheren Schutz gegen Tollwut voraussetzt. Eine Impfung – wenn sie überhaupt erfolgte – schützt aber in der Regel erst ab einem Alter von 15 Wochen. Jüngere, illegal eingeführte Welpen müssen deshalb mehrere Wochen in Quarantäne. In diesem Alter wären sie aber für ihre weitere Entwicklung dringend auf enge Kontakte mit anderen Hunden oder Menschen als Bezugspersonen angewiesen.
Das stellt die Vollzugsbehörden immer wieder vor große Gewissensentscheidungen: Einerseits wissen Tierärztinnen und Tierärzte in den Ämtern um die Bedeutung dieser Phase für eine gesunde “Psyche” der Hunde, andererseits müssen sie den Verbraucherschutz sicherstellen, indem sie die Einsperrung anordnen.

Gewalt gegen Amtstierärzte

Solche und andere Tierschutzentscheidungen werden von Tierhaltern – ob Heim- oder Nutztiere – immer öfter nicht akzeptiert. Das mündet zunehmend in Gewaltattacken.

Angriffe auf Amtstierärzte – ein “Fallbericht” mit Links zu weiteren Übergriffen

“Gerade bei Tierschutzfällen werden Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst immer häufiger Opfer”, berichtet BbT-Präsident Dr. Holger Vogel. “Bedauerlicherweise ist es schon zu Todesfällen gekommen”. Deshalb müsse der Verband darauf reagieren.
Auch der Deutsche Landkreistag (Erklärung hier) und der Niedersächsische Landkreistag (Erklärung hier) zeigten sich bestürzt über solche Gewalttaten und verurteilten sie scharf.

Quelle: Pressemeldungen des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte

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