Zikavirus: Übertragung durch “heimische” Mücken?

Populationen der Asiatischen Tigermücke überwintern inzwischen auch in Deutschland. Sie kann ab 27 °C das Zika-Virus übertragen. (Foto: © James Gathany, CDC)

Können in Deutschland heimische Mücken das Zikavirus übertragen? Jein – es hängt von der Mückenart und den Temperaturen ab. Die regional vereinzelt vorkommende asiatische Tigermücke kann es – ab 27 °C. Die “klassischen” deutschen Mücken der Gattung Culex sind dazu generell nicht in der Lage.

(aw/PM) – In der Humanmedizin sorgt das Zikavirus vor allem in Zusammenhang mit Missbildungen bei Kindern in letzter Zeit häufig für Schlagzeilen. Das Virus wird von Stechmücken der Gattung Aedes übertragen und zwar hauptsächlich von Aedes aegypti. Diese Art kommt in Deutschland nicht vor. Aber eine verwandte Art, die asiatische Tigermücke Aedes albopictes. Das Robert-Koch-Institut sieht ein Risiko, dass Reiserückkehrer ihrerseits Mücken mit Virus infizieren könnten.

Zika-Kompetenz: Mückenarten im Vergleich

Deshalb haben das Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und die Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung (GFS) untersucht, ob in Deutschland vorkommende Mücken die Krankheit übertragen können. Sie verglichen dabei heimische Mücken der Gattung Culex (Culex pipiens pipiens, Culex pipiens molestus, Culex torrentium) und Aedes albopictus aus Deutschland und Italien mit dem eigentlichen Hauptüberträger Aedes aegypti.

Bisher der Hauptüberträger: Mücke der Art Aedes aegypti – kommt bisher in Deutschland sehr selten vor. (Foto: © CDC/Gathany)

Bisher Hauptüberträger des Zikavirus: Mücke der Art Aedes aegypti – sie kommt aber in Deutschland eher selten vor. (Foto: © James Gathany/CDC)

  • Die gute Nachricht: Bei 18°C war keine Gattung in der Lage, im Anschluss an eine Blutmahlzeit (nach 14 und 21 Tage) das Virus weiterzugeben.
  • Das Risiko: Bei Temperaturen von 27 °C gelang aber den Aedes-Arten eine Weitergabe der Infektion. Dabei waren die “Tigermücken” (Aedes albopictus) sogar ähnlich effektiv, wie die eigentlich als Zikavirusträger geltende Aedes aegypti-Mücken.
  • Die hierzulande weit verbreiteten Culex Arten schafften es auch bei den höheren Temperaturen nicht, eine Infektion auszulösen.

Kein flächendeckendes Risiko

Die asiatische Tigermücke ist allerdings (noch) nicht flächendeckend in Deutschland verbreitet. Bisher wurde sie erst in Freiburg, Heidelberg, Sinsheim und Jena gefunden. Es sei aber durchaus denkbar, dass eine Ausbreitung von Aedes in Kombination mit warmen Umgebungstemperaturen und Zika-infizierten Personen auch in Deutschland zu einer potentiellen Gesundheitsgefahr führen könnte. Noch ist dieses Risiko aber eher theoretischer Natur.

Lesen Sie auch: Zika-Mücke in der Zimmerpflanze

RKI: Reiserückkehrer könnten Mücken infizieren

Typische "deutsche" Mücken: Culex pipiens – sie kann das Zika-Virus nicht übertragen (Foto: © Funk / Mückenatlas)

Typische “deutsche” Mücke: Culex pipiens – sie kann das Zikavirus nicht übertragen (Foto: © Funk / Mückenatlas)

Trotzdem rät das Robert-Koch-Institut (RKI) Reisenden zu Vorsichtsmaßnahmen – damit die Mücken nicht zu Virusträgern werden (können). Reiserückkehrer aus Zika-Risikogebieten sollten – unabhängig davon, ob sie sich krank fühlen – möglichst verhindern, dass sie von Mücken gestochen werden, um diese nicht zu infizieren. Konkret empfiehlt das RKI für drei Wochen: helle, lange Kleidung zu tragen sowie Insektenschutzmittel und Insektengitter an den Fenstern verwenden.

Deutschland: Seit 2015 über 200 Zika-Fälle

Das Zikavirus verursacht immer wieder größere Infektionswellen, so etwa 2007 in Mikronesien und seit 2013 auch in anderen pazifischen Inselstaaten. Die Häufung von Infektionen in Süd- und Mittelamerika im Jahr 2015 hat dazu geführt, dass einige Sportler nicht bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (Brasilien) angetreten sind. Die Infektion verursacht Hautausschläge, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Bindehautentzündungen und unter Umständen auch Fieber. Besonders problematisch ist die Infektion für ungeborene Kinder im Mutterleib. Bei ihnen kann das Virus Hirnfehlbildungen verursachen.

Quellen:
Originalveröffentlichung Eurosurveillance (englisch)
Pressemeldung Bernhard-Nocht-Institut (deutsch)
Frage und Antwortkatalog zu Zika – Robert-Koch-Institut

Teilen
Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)