“Nicht süß, sondern gequält” – BTK über Qualzucht bei Mops & Co

Symbol für die Qualzucht: Die Rasse der Möpse mit schweren Atemwegsproblemen (Brachiecephalie) (Foto: © vetpress.de)Symbol für die Qualzucht: Die Rasse der Möpse mit schweren Atemwegsproblemen (Brachyzephalie) (Foto: © vetpress.de)

Mops, Pekinese oder auch Perserkatzen leiden am brachycephalen Syndrom: Fünf Tierarztverbände haben dazu gemeinsam einen Informationsflyer entwickelt mit einem klaren Appell: Solche Qualzuchten nicht kaufen – auch nicht aus Mitleid.

Erkennbar unnatürlich deformiert: Mopsschädel. (Foto: © C. Pfister)

Erkennbar unnatürlich deformiert: Mopsschädel. (Foto: © C. Pfister)

(jh/BTK) – Clownesk wirkende Englische und Französischen Bulldogge, drolliger Mops, plüschtierhaft anmutender Pekinese oder Perser-, Exotic Shorthair oder British Kurzhaar-Katzen mit flachem Puppengesicht – für die Bundestierärztekammer (BTK) und vier weitere tierärztliche Verbände gehören diese momentan beliebten Hunde- und Katzenrassen in ihrer heutigen körperlichen Ausprägung zu den sogenannten „Qualzuchten“. Die Kindchenschema-Merkmale bedienten ausschließlich Modetrends, die Gesundheit der Tiere rücke vollkommen in den Hintergrund. Über kurz oder lang  würden die Tiere krank; ausgeprägtestes Merkmal: Atemnot.

Faltblatt mit Checkliste

Erste Checkliste für das Qualzuchtsymptome "Brachyzephalie". (Ausschnitt BTK-Faltblatt / ©BTK)

Erste Checkliste für das Qualzuchtsymptom “Brachyzephalie”. (Ausschnitt BTK-Faltblatt / ©BTK)

Um potentiellen Hundekäufern eine erste Orientierung zu geben, haben die Tierärzteverbände einen Flyer entwickelt, der kurz und präzise unter anderem mit einer “Checkliste” die schlimmsten Symptome und Ausprägungen der Brachyzephalie beschreibt. „Tiere dieser Rassen mit extrem kurzem Gesichtsschädel entwickeln über kurz oder lang einen erheblichen Leidensdruck, haben meist starke körperliche Einschränkungen und in bestimmten Fällen auch ausgeprägte Schmerzen“, erklärt Dr. Friedrich Röcken, Fachtierarzt für Kleintiere und Leiter der Arbeitsgruppe (AG) Qualzuchten.
Die klare Tierärzte-Empfehlung: Nicht kaufen, schon gar nicht über das Internet und auch nicht aus Mitleid.

Verantwortungslose „Ultra‐Kurznasen“‐Züchter boykottieren

Stattdessen sollten Interessenten bei seriösen Züchtern nach einem Mops oder einer Bulldogge suchen, die eine ausgeprägte Nase haben und gut Luft bekommen – und sich vorab vom Tierarzt beraten lassen. “Denn nur, wenn verantwortungslose „Ultra‐Kurznasen“‐Züchter keine Käufer mehr finden, wird es wieder mehr gesunde Hunde geben”, appelliert die Bundestierärztekammer.

Warnsignale beachten

Titelseite des "Qualzucht"-Flyers der BTK – PDF-Download durch Klick auf das Foto. (©BTK)

Titelseite des “Qualzucht”-Flyers der BTK – PDF-Download durch Klick auf das Foto. (©BTK)

Offensichtliche Symptome für Brachyzephalie sind Schnaufen, Röcheln, Atemnot, vermehrter Tränenfluss und schnelle Erschöpfung bis hin zum Kreislaufkollaps mit Ohnmacht. Röcken: „Das ist unter anderem den viel zu engen Nasenöffnungen und/oder überlangen Gaumensegeln geschuldet. Massive Probleme gibt es auch mit den Augen, denn die großen Glubschaugen in den flachen Augenhöhlen entzünden sich häufig bis hin zur Eintrübung der Hornhaut. Die Folge kann eine Erblindung der betroffenen Tiere im fortgeschrittenen Alter sein.“

Aufklärung gehört zum Berufsethos

Den Auftrag, sich verstärkt dem Thema Qualzuchten zu widmen, hatte der 27. Deutsche Tierärztetag in Bamberg erteilt. Fünf Tierarztverbände – Bundestierärztekammer (BTK), Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) sowie die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) mit ihrer Gesellschaft für Kleintiermedizin (DGK-DVG) – haben dazu eine Arbeitsgruppe “Qualzuchten” gegründet.
Erstes Ergebnis ist das Merkblatt „Kurznasen und Glubschaugen: Nicht süß, sondern gequält“. Die Tierärztinnen und Tierärzten der Arbeitsgruppe formulieren dazu:

Wir fühlen uns durch unser Berufsethos verpflichtet, jeder Form von Zucht, die zu Schmerzen, Leiden und Qualen führt, entgegenzuwirken. Mit unseren fachlichen Kenntnissen müssen wir zur Sicherung des Wohlbefindens von Tieren beitragen. Dazu gehört in besonderem Maße die Aufklärung über die dramatischen gesundheitlichen Auswirkungen bestimmter Zuchtziele, die von manchen Menschen als schön empfunden und forciert werden.”

Friedrich Röcken, Leiter der tierärztlichen Arbeitsgruppe “Qualzucht”

Quellen:
Pressemeldung der Bundestierärztekammer
Merkblatt „Kurznasen und Glubschaugen: Nicht süß, sondern gequält“ (PDF-Download)
“Qualzucht”-Beschluss des 26. Deutschen Tierärztetages im Wortlaut (PDF-Download)

Teilen
Über den Autor

Redaktion wir-sind-tierarzt.de

Unter dem Autorennamen "Redaktion wir-sind-tierarzt.de" veröffentlichen wir überwiegend kurze/aktuelle Nachrichten, die im Redaktionsalltag entstehen. Ein Namenskürzel am Textanfang weist ggf. näher auf den zuständigen Redakteur hin: jh – Jörg Held / hh - Henrik Hofmann / aw – Annegret Wagner Kontakt zur Redaktion: zentrale(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)