Niederlande: Unverkäufliche Bullenkälber getötet?

kleines KalbNeugeborenes, relativ schwaches Fleckviehkalb – hier würden sich Investitionen in die Aufzucht dennoch lohnen; bei Bullenkälbern aus Milchviehrassen derzeit nicht. (Foto:©WiSiTiA/aw)

Werden in den Niederlanden aktuell Kälber in größerer Zahl getötet, weil sie nicht zu verkaufen sind? Medien sprechen von 300 Tieren im Viehhandel, für die keine Maststallplätze gefunden werden konnten. Der Marktwert eines männlichen Kalbes aus Milchviehrassen tendiert zunehmend gegen Null.

(aw/jh) – Die exakten Zahlen konnte wir-sind-tierarzt nicht verifizieren. Aber auch argiholland.nl berichtet auf seiner Nachrichtenseitedass alleine in der ersten Februar-Woche einige hundert Kälber euthanasiert beziehungsweise getötet worden sind. Dabei bezieht man sich auf das dortige I&R-System, das mit der HI-Tier in Deutschland vergleichbar ist.
Demnach wären die Zahlen im Vergleich zu 2014 und 2015 deutlich erhöht. In den Vorjahren waren 143 bzw. 118 Tiere im Bezirk Leeuwarden als euthanasiert gemeldet. Durchschnittlich wurden hier pro Jahr rund 40.000 Kälber vermarktet. Allerdings seien schon seit längerer Zeit etliche Kälber, die nicht auf den Märkten verkauft werden konnten, von Viehhändlern direkt zu speziellen Schlachtbetrieben gebracht und getötet worden.

Keine Vermarktungs-Chance

kleines Kalb

Neugeborenes, relativ schwaches Fleckviehkalb – hier würden sich Investitionen in die Aufzucht dennoch lohnen; bei Bullenkälbern aus Milchviehrassen derzeit nicht. (Foto:©WiSiTiA/aw)

Das Rindermagazin elite-online spricht “von einigen hundert “leichtgewichtigen” Kälbern”, die getötet wurden, “angeblich, weil sie zu schwach waren.” Nach Angaben von Viehhändlern seien es über 300 Kälber. Dabei habe sich der Verdacht erhärtet erhärten, dass es keine Stallplätze in der Kälbermast für diese Tiere gab und sie deshalb aufgrund fehlender Vermarktungsmöglichkeiten eingeschläfert wurden.

[box]Wertlose Wegwerfrinder – Mitte letzten Jahres sorgte ein Spiegel-Artikel zu diesem Thema auch in Deutschland für Empörung. Die Bundestierärztekammer hat darauf hingewiesen, dass die illegale Entsorgung von Kälbern ein Straftatbestand ist.
Die Hintergründe dieser Debatte hat wir-sind-tierarzt.de hier ausführlich erklärt.
In Deutschland versuchen Amtstierärzte über Datenauswertung herauszufinden, ob und in welchen Betrieben erhöhte/untypische Kälbersterblichkeitsraten auftreten, um dann gegebenenfalls risikoorientiert nachprüfen zu können. Welche Möglichkeiten die Datenbank HI-Tier hier bietet, ist ein Punkt auf einer Fortbildung des BbT-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern.[/box]

Problem auch in Deutschland

Der Verdacht, dass auch in Deutschland im größeren Umfang Schwarzbunte Bullenkälber getötet beziehungsweise nicht gefüttert werden, wird immer wieder von Tierschützern geäußert. Schuld daran sind die Preise für die Tiere. Kälber unter 45 kg Lebendgewicht akzeptieren die meisten Händler nicht mehr oder nehmen sie nur ohne Bezahlung mit.
Auch in Dänemark werden bis zu 30.000 Jersey-Bullenkälber kurz nach der Geburt getötet, weil sich die Mast nicht lohnt.

Quellen:
Nachrichtenseite agriholland.nl
“NL: Hunderte Kälber eingeschläfert” – Elite, Magazin für Milcherzeuger (9.2.2016)

Teilen
Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)