Import von Herpes-Impfstoff schneller genehmigen

In Deutschland kann es im Herbst und Winter 2015/2016 zu Lieferengpässen bei Equinen Herpesimpfstoffen kommen. Diese Warnung veröffentlichte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) vor acht Tagen (10.11.2015). Passend dazu gab die Behörde eine für die Schweiz bestimmte Impfstoffcharge unbürokratisch für den deutschen Markt frei. Doch die ist bereits für die Vollblutzucht reserviert. Die Mehrheit der Praktiker muss dagegen aktuell mit ihrer Impfstoffbestellung eine mehrwöchiges Importgenehmigungsverfahren durchlaufen.

(aw) – Für Verärgerung bei Pferdepraktikern sorgt die zeitliche Abfolge: Das PEI veröffentlichte die Warnung erst, nachdem es den Teil einer Charge Herpesimpfstoff der Firma Zoetis, die eigentlich in die Schweiz geliefert werden sollte, recht unbürokratisch für den deutschen Markt frei gegeben hat. Diese rund 200 Impfdosen, für deren Verwendung jetzt keine gesonderte Genehmigung mehr notwendig ist, sind aber bereits für Vollblutstuten vergeben. In der Vollblutzucht besteht eine EHV-Impfpflicht für alle Zuchtstuten.

Praktiker brauchen Importgenehmigung

Pferdepraktiker ohne Zugriff auf diese, für Vollblüter bereits reservierte Charge, müssen ihren Impfstoff dagegen bei Bedarf aus dem EU-Ausland importieren – und sich diesen Import sowie die Verwendung vorab(!) von der in ihrem Bundesland zuständigen Stelle genehmigen lassen. Vor einer Genehmigung dürfen sie nicht importieren. Dieses Verfahren dauert aber bis zu vier Wochen und länger. So ist schon jetzt fraglich, ob zur Zeit trächtige Stuten noch fristgerecht geimpft werden können.

Unbürokratische Freigabe für weitere Chargen?

Das PEI, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat die alternativen Impfstoffe – deren Import ausdrücklich erlaubt ist – zwar genannt (siehe Tabelle unten und Warnmeldung auf der PEI-Webseite). Offen bleibt die Frage, warum diese Impfstoffe nicht ebenfalls vorab geprüft und zumindest eine aktuelle Charge analog zur “Vollblutzucht-Lösung” unbürokratisch frei gegeben wurde?
Ebenfalls eine Erleichterung wäre es, wenn die Behörden den Tierärzten Bestellung und Einführung der Impfstoffe genehmigen würden, bevor die Prüfverfahren beendet sind. Damit könnte unmittelbar im Anschluss an einen – aufgrund der PEI-Nennung zu erwartenden – positiven Bescheid zügig geimpft werden.

Quelle: PEI

Quelle: PEI

Teilen
Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)