„No teeth“ muss kein Abgangsgrund werden

Die Lebensdauer einer Milchkuh richtet sich vor allem nach ihrer Eutergesundheit und Fruchtbarkeit. Bei Mutterkühen spielt dagegen die Zahngesundheit eine große Rolle. Mit Kunststoff- oder Metall-Prothesen verlängert man in Argentinien die Nutzungsdauer.

Mutterkühe werden in der Regel deutlich älter als Tiere in der Milchproduktion. Daher sind abgenutzte und ausfallende Schneide- und Eckzähne ein wesentlicher Faktor für die Lebenserwartung der Tiere: Ohne Zähne können sie nicht mehr richtig fressen. „No teeth“ – keine Schneidezähne – ist ein Grund, die Kuh aus der Herde zu nehmen.

Metallplatten zur Lebensverlängerung

Bereits in 2010 hat der argentinische Zahnarzt Osvaldo Rodolfo Errobidart einen Zahnersatz für Kühe zum Patent angemeldet. Errobidart, der seit 20 Jahren verschiedene Systeme ausprobiert, hat seine Prothesen für Angus-Kühe mit abgenutzten oder bereits ausgefallenen Zähnen konzipiert. Er benutzt einheitliche Metallplatten und verwendet Drähte zur Fixation. Mit diesem Zahnersatz ausgestattet, leben die Kühe durchschnittlich drei Jahre länger als Vergleichstiere ohne Prothesen.

Thermoplastische Kunststoffe als Abriebschutz

Eine Verfeinerung dieser Methode hat Alejandro Rodrigez vom Instituto Nacional de Technologica Agropecunaria (INTA) in Cecuna de Salado vorangetrieben und erprobt. Auch Rodrigez arbeitet mit Angus-Rindern, sie sind die dominierende Rasse in Argentiniens Fleischproduktion.
Die Prothesen, die er benutzt, bestehen aus abriebfestem thermoelastischem Kunststoff und werden auf die noch nicht zu weit abgenutzten Schneidezähne aufgebracht. Die Zähne müssen dafür also – anders als bei der Methode von Errobidart – noch in gutem Zustand sein, denn sie dienen als Befestigung. Die halbmondförmigen Plastikprothesen macht Rodrigez in heißem Wasser formbar und drückt sie dann auf die Zähne. Zusätzlich werden diese vorher noch mit Draht umwickelt. Damit lässt sich der Sitz im Gegensatz zu Errobidarts Methode individuell anpassen. Die fixierte Prothese dient vor allem als Abriebschutz für vorhandene Zähne.

Steigerung der Effizienz

Der Zahnersatz beziehungsweise -aufsatz beeinträchtigt weder die Futteraufnahme noch die Wiederkautätigkeit noch das Pansenmilieu. Die Fruchtbarkeit ist ebenfalls unverändert.
Für Alejandro Rodrigez ist die so vermiedene weitere Abnutzung der Schneidezähne eine wirkungsvolle Methode, um die Lebensdauer und damit die Summe der geborenen Kälber pro Kuh zu steigern. Die Kosten für den Eingriff würden durch die größere Effizienz der Kühe leicht amortisiert.

Video zur Kunststoffprothese

 

 

Video zur Metallprothese

 

Bild: Herstellerseite Bovident

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Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
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