H5N8 in Cloppenburg: Bislang keine weiteren Infektionen im Umkreis

(jh) In Niedersachsen gibt es einen Geflügelpestausbruch mit hochpathogenen H5N8-Viren, die zuvor schon in Mecklenburg-Vorpommern sowie Großbritannien und den Niederlanden aufgetreten sind. Bisher ist nur ein konventioneller Putenmastbetrieb mit 19.000 männlichen Puten in Barßel im Landkreis Cloppenburg betroffen. Diese Tiere wurden getötet, ebenso wie weitere 11.500 auf einem Nachbarbetrieb, zu dem Kontakt bestand. Außerdem rund 100.000 Hühner im Radius von einem Kilometer um den Ausbruchsort. Im Landkreis werden etwa 13,5 Millionen Puten und Hühner gehalten. (zuerst veröffentlicht: 15.12.2014 – 16:27 / zuletzt aktualisiert: 19.12.14 – 23:00 Uhr)

Proben in zwei weiteren Kontaktbetrieben des zum Heidemark-Konzern gehörenden Ausbruchsbetriebes brachten bisher ebenso negative Ergebnisse wie über weitere 1.000 Proben aus 60 weiteren Betrieben, die im Umkreis von drei Kilometern etwa 230.000 Stück Geflügel halten. Noch aber sind nicht alle Proben untersucht (19.12.2014). Die Ergebnisse sollen bis Weihnachten vorliegen. In den Landkreisen Cloppenburg, Leer und Ammerland galt von Dienstag (16.12.) bis Freitag (19.12.2014) ein sogenanntes Stand Still. Damit waren alle Transporte von Geflügel untersagt – mit Ausnahmen von Eintagsküken. Mittlerweiel gilt das Transportverbot nur noch im 10-Kilometer-Überwachungsgebit um den Ausbruchsort. Der Ausbruch selbst war am 15.12.2014 offiziell bestätigt worden, nachdem in dem Betrieb zuvor eine erhöhte Mortalität auffiel.

Eintragsweg unklar

Nachdem Ende November das Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N8 auch an der Niederländischen Grenze nachgewiesen wurde, hatte der Kreis eine Stallpflicht für  Geflügelhalter angeordnet – noch bevor die Landesregierung diese Massnahme für nötig erachtete. Wie sich die Tiere nun womöglich doch mit dem Virus angesteckt haben könnten, ist unklar.

Stallfpflicht-Ende in Mecklenburg-Vorpommern macht Niedersachsen Hoffnung

In Mecklenburg-Vorpommern soll die Stallpflicht am Mittwoch wieder aufgehoben werden – und zwar trotz des neuen Ausbruchs in Niedersachsen. Darauf baut auch Niedersachsens Landvolk-Präsident Werner Hilse seine Hoffnungen. Weil die jüngsten Vogelgrippefälle in Mecklenburg-Vorpommern und den Niederlanden regional schnell eliminiert werden konnten, hofft er er auf einen vergleichbaren Erfolg für den aktuellen Fall in Niedersachsen: „Es ist zu wünschen, dass sich die Infektion nicht weiter ausbreiten konnte und alle unsere Vorsorgemaßnahmen schneller sind als das Virus.” Sollte sich der Verdacht jedoch bestätigen, wäre das für alle Geflügelhalter in der betroffenen Region eine niederschmetternde Nachricht kurz vor den Feiertagen.

1,2 Millionen Stück Geflügel deutschlandweit seit 2004 wegen Vogelgrippe getötet

Das NDR-Magazin Panorama hat bei allen für die Tierseuchenbekämpfung zuständigen Ministerien der 16 Bundesländer die bisherigen Opferzahlen der 90 Vogelgrippe-Ausbrüche seit 2004 erfragt: Danach sind insgesamt 1,2 Millionen Tiere aus Geflügelhaltungsbetrieben wegen der so genannten Vogelgrippe gekeult worden. Knapp 46 Prozent davon in Niedersachsen. 32 Prozent in Bayern. Keine Ausbrüche der Vogelgrippe verzeichneten in diesem Zeitraum Hamburg, Bremen, Berlin, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Vogelgrippe wurde sowohl in geschlossenen als auch in Betrieben mit Freilandhaltung festgestellt.

H5N8-Ausbruch in Italien

Auch Italien meldete am 16.12.2014 einen Ausbruch mit hochpathogenem H5N8-Virus: In einem 32.000er Mast-Putenbestand in Rovigo (Venetien) sind über 1.200 Puten an der Geflügelpest gestorben. Damit ist das Virus jetzt in vier EU-Ländern nachgewiesen.

Weitere Berichte zur H5N8-Geflügelpest auf wir-sind-tierarzt.de

(chronologisch absteigend sortiert)

Erster Nachweis des Virus in Europa in Mecklenburg-Vorpommern – (9.11.2014)
Geflügelpest breitet sich in Mecklenburg-Vorpommern nicht weiter aus – (11.11.2014)
Ausbreitung des Virus in Europa (Niederlande/Großbritannien) – 21.11.2014)
Debatte über den Eintragsweg: Wildvögel oder Warenverkehr – (21.11.2014)
Stallpflicht soll Ausbreitung eindämmen – (26.11.2014)
Ausbreitung des Virus in den Niederlanden – (2.12.2014)
Mecklenburg-Vorpommern hebt landesweite Stallpflicht auf – (15.12.2014)
H5N8-Ausbruch im Landkreis Cloppenburg (Niedersachsen) – (16.12.2014)
H5-Verdacht im Emsland – H5N8-Ausbruch in den USA – (19.12.2014)

Wie kommt das Virus in Europas Ställe? – EFSA-Bewertung der Verbreitungs- und Eintragswege – (18.12.2014)

Offizielle Informationsseiten

Ein Informationsseite (mit weiterführenden Links) zum Thema Geflügelpest hat auch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) eingerichtet.
Die Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Institutes (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit/FLI) finden Sie hier

 

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