Mit gesextem Sperma später besamen

Weibliche Rinder sind wertvoll für die Zuchtentwicklung, Bullenkälber gelten dagegen fast als Abfallprodukt weil sie sich schwer vermarkten lassen.  Deshalb gewinnt gesextes Sperma bei Rindern vor allem bei reinen Milchnutzungsrassen (z.B. Holstein Frisian, Brown Swiss) zunehmend an Bedeutung. Doch bei dessen Einsatz kommt es wohl vor allem auf den Besamungszeitpunkt an.

Bislang rieten die Zuchtexperten dazu, gesextes Sperma nur bei Kalbinnen zu verwenden. Der Grund: Die geringere Spermienmenge – nur 2 Mio. Spermien pro Portion anstatt den üblichen 20 Mio. – und der mechanische Stress der Spermien bei der Sortierung setzt  für eine erfolgreiche Besamung eine gute Fruchtbarkeit des weiblichen Tieres voraus. Die ist vor allem bei nichtlaktierenden Jungtieren gegeben. Doch Gabriel Bombardelli und seine Kollegen vom Departement of Veterinary Population Medicine der Universität Minnesota (USA) haben eventuell einen weiteren Grund für die schlechteren Besamungsergebnisse mit gesextem Sperma gefunden.

Besamungszeitpunkt wichtig

Künstliche Besamung

Künstliche Besamung beim Rind (Foto:WiSiTiA/aw)

Die Besamung einer Kuh mit herkömmlichem Sperma sollte etwa vier bis 16 Stunden nach Brunsteintritt erfolgen. Automatische Brunsterkennungssysteme, die in der Rinderhaltung immer beliebter werden, machen eine genaue Erfassung des Brunstbeginns möglich. Die Besamung findet also 12 bis 26 Stunden vor der Ovulation statt. Werden die Kühe zu früh besamt (<4 Stunden nach Brunsteintritt), sind bis zur Ovulation der Eizelle eventuell nicht mehr ausreichend viele lebensfähig Spermien vorhanden. Wird zu spät besamt (>16 Stunden), ist die Eizelle eventuell schon überaltert bevor die Spermien befruchtungsfähig sind.

20-28 Stunden nach Brunstbeginn besamen

Bei gesextem Sperma scheint der zeitliche Ablauf ein wenig anders zu sein. Kalbinnen der Rasse Jersey wurden in Bombardellis Untersuchungen besonders häufig trächtig, wenn die Besamung 20 bis 24 Stunden nach Brunsteintritt erfolgte (55,6%). Auch in der Gruppe der Rinder, die zwischen 16 und 20 Stunden nach Brunsteintritt besamt wurden, waren die Ergebnisse mit 51,8% Trächtigkeitserfolg gut.
Daher empfiehlt Bombardelli Rinderzüchtern, ihre Tiere erst 20 bis 28 Stunden nach Brunsteintritt besamen zu lassen, falls gesextes Sperma eingesetzt werden soll.

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Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
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