Ausgehend von Kälbern: Multiresistente Salmonellen infizieren in USA 54 Menschen

Ausgehend von Kälbern in Wisconsin, beschäftigt ein Salmonellen Ausbruch mit einem multiresistenten Stamm die Behörden in 15 US-Bundesstaaten. (Karte: © CDC)

54 infizierte Menschen in 15 US-Bundesstaaten und noch kein Ende in Sicht – ein Salmonellen Ausbruch mit einem multiresistenten Stamm beschäftigt die Behörden in den USA. Der Keim stammt von Kälbern und ist gegen bis zu zehn Antibiotika resistent.

(aw) – Der Ausbruch scheint von einem Milchviehbetrieb in Wisconsin auszugehen und hat sich mittlerweile auf Rinderbstände in einer Reihe von angrenzenden Staaten ausgebreitet. Aufgefallen war er im November 2016. Seitdem gibt es immer wieder neue Infektionen – zuletzt seit August 2017 acht neue Fälle in sechs Staaten. Betroffen sind vor allem Menschen in den US- Bundesstaaten Wisconsin, Minnesota, South Dakota, Iowa und Missouri, meldet das US Centre for Disease Control and Prevention (CDC – vergleichbar mit dem deutschen Robert-Koch-Institut). Weitere umliegende Staaten sind nicht ganz so gravierend betroffen (siehe Karte).

17 Menschen im Krankenhaus

54 Menschen infizierten sich bisher mit den multiresistenten Salomonellen vom Heidelberg-Stamm; 17 mussten ins Krankenhaus; Todesfälle gab es keine. In 18 Fällen waren Kinder unter fünf Jahren infiziert. 63 Prozent der erkrankten Menschen gaben an, im Vorfeld Kontakt zu Kälbern oder Kühen gehabt zu haben. Einige berichteten, dass sie erkrankten, nachdem ihre Kälber erkrankten oder gar starben.
Die Behörden konnten den Ausbruch bis in das Jahr 2015 nach Wisconsin zurückverfolgen. Die Untersuchungen zeigen, dass nach wie vor weiter Kälber in verschiedenen Bundesstaaten an multiresistenten Salmonelleninfektionen erkranken.

Übersicht der Infektionen bei Menschen – die Salmonellen sind gegen bis zu zehn Antibiotika resistent. (Grafik: CDC)

Salmonellen resistent gegen bis zu neun Antibiotika

Auf der Suche nach dem Erreger hat das CDC eine Gen-Sequenzierung zur Bestimmung der Resistenzen vornehmen lassen – aus Isolaten von 43 erkrankten Menschen, dazu von 87 Isolaten von Rindern und 11 Isolaten aus der Umgebung der Tiere. Diese Ergebnisse wurden zusätzlich bei acht Proben mittels normalen Resistenztests bestätigt. Diese zeigten folgende Resistenzen:

  • Alle acht Isolate sind resistent gegenüber Amoxicillin-Clavulansäure, Ampicillin, Streptomycin und Tetrazyklin sowie gegen die folgenden vier Antibotika:
    Cefoxitin (2.Gen. Cephalosporin), Ceftriaxon (3.Gen. Cephalosporin), Sulfisoxazol (lokal anzuwendendes Sulfonamid), auch die Wirksamkeit von Ciprofloxacin (Fluorchinolon) ist herabgesetzt. Diese vier Wirkstoffe werden aber in den USA nicht bei Kälbern/Rindern eingesetzt.
  • Sieben Isolate sind außerdem resistent gegen Trimetoprim-Sulfamethoxalzol
  • Fünf Isolate sind zusätzlich resistent gegen Nalidixinsäure
  • Drei Isolate sind ebenfalls resistent gegen Chloramphenicol
  • Alle Isolate reagieren sensibel gegenüber Azithromycin (einem Makrolid) und Meropenem (Carbapenem)

Bester Schutz: Hygiene

Das CDC rät daher allen Personen, die mit Rindern umgehen – also in erster Linie den Tierhaltern, aber auch Tierärzten – einige Hygienemaßnahmen zu beachten:

  • Nach Kontakt mit Rindern oder Gebrauchsgegenständen aus der Umgebung von Rindern immer sorgfältig die Hände mit Seife waschen.
  • Immer eigens dafür vorgesehene Kleidung, Schuhe und Handschuhe bei der Arbeit mit Rindern tragen.
  • Diese Kleidung sollte nicht mit ins Wohnhaus gebracht werden, sondern an einem dafür vorgesehenen Ort verbleiben.
  • Besondere Vorsicht sei immer dann geboten, wenn sich Kleinkinder in einem Haushalt befinden, denn diese sind aufgrund ihres weniger belastbaren Immunsystems stärker gefährdet als Erwachsene.

Quellen:
CDC-Webseite zum Ausbruchsgeschehen – Stand 17.11.2017
dairyherd.com

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Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
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