Brunstsynchronisation mit PMSG – es gibt Alternativen

Zyklussynchronisation bei Sauen: Ea gibt Alternativen zum in die Kritik geratenen Hormon PMSG. (Foto: WiSiTiA/jh)

Tierschützer kritisieren den Einsatz des Hormons PMSG in der Sauenhaltung heftig. Ihr Vorwurf: In Südamerika würde PMSG mit brutalen Methoden aus dem Blut trächtiger Stuten gewonnen, damit in Deutschland mehr Schweinefleisch produziert werden kann. Deshalb wird verstärkt auf Alternativen zur Brunstsynchronisation geschaut. Zwei Verfahren sind gut wirksam.

von Annegret Wagner

Das Hormon PMSG/eCG (Pregnant Mare Gonadotropin, neue Bezeichnung: equine Chorion Gonadotropin) wird schon seit Langem bei Sauen zur Zyklussteuerung eingesetzt. Gewonnen wird es aus dem Blut trächtiger Stuten.
Zuletzt ist PMSG in Verruf geraten: Tierschützer zeigten brutale Videobilder von sogenannten Blutfarmen in Südamerika (Berichte auf wir-sind-tierarzt hier). Die Pharmafirmen haben auf die Kritik reagiert und ihre Lieferanten überprüft, beziehungsweise versucht, die Produktion nach Europa zu verlagern. Zur Zeit ist das Hormon nur eingeschränkt und nur als Kombinationspräparat mit hCG (humanes Chorion Gonadotropin) erhältlich.

Suche nach Alternativen zur Brunstsynchronisation

Gleichzeitig hat die Wissenschaft sich verstärkt mit Alternativen zum eCG-Einsatz beschäftigt. Professor Dr. Johannes Kauffold von der Klinik für Klauentiere der Universität Leipzig stellte auf dem bpt-Kongress in München zwei Varianten vor. Kauffold wies aber darauf hin, „dass eCG/PMSG in seiner beinahe kompromisslosen Wirkpotenz vor allem in bestehenden Synchronisationsprogrammen nicht gedankenlos auszutauschen oder zu ersetzen ist.“ Die Alternativen basieren zum Teil auf anderen Wirkmechanismen. Sie können auch Modifikationen am Reproduktionsmanagement erforderlich machen.*

Konsequenzen aus der Kritik an den Produktionsbedingungen von PMSG. (Foto: Folie Vortrag Prof. Kauffold/bpt-München 2017)

1. Synthetisch hergestelltes GnRH-Analogon Peforelin

Er nannte zum einen den relativ neuen Wirkstoff Peforelin (Maprelin®). Es ist ein synthetisch hergestelltes GnRH-Analogon, das eine andere Aminosäuresequenz hat, als die herkömmlichen Präparate und selektiv die FSH-Ausschüttung stimuliert. Peforelin wird im Anschluss an eine Altrenogest-Behandlung (48 Stunden später) oder 24 Stunden nach dem Absetzen der Ferkel appliziert. Die Brunst erfolgt dann innerhalb von sieben Tagen.

2. Die „Fixed Time Insemination“ (FTI)

Eine weiteres Verfahren ohne eCG ist die „Fixed Time Insemination“ (FTI). Hier wird  ebenfalls ein GnRH-Analogon, nämlich Buserelin (Porceptal®) eingesetzt. Hersteller MSD/Intervet hat ein Schema ausgearbeitet, das mit einer einmaligen Besamung im Anschluss an die Injektion funktionieren soll. Voraussetzung ist, dass alle Sauen der Gruppe zeitgleich ovulationsbereite Follikel aufweisen.
In eigenen Versuchen variierten die Tierärzte der Universität Leipzig das Herstellerschema, um das Programm besser an die normale Arbeitszeit der Sauenbetreuer anzupassen. Ihr Ergebnis: Ein Intervall von 91 Stunden zwischen Absetzen (nachmittags) und Injektion ist  erfolgversprechend. Die Besamung sollte dann 30 bis 33 Stunden nach der Applikation von Buserelin erfolgen. Die Wurfgröße lag trotz nur einmaliger Besamung im Vergleich zu unbehandelten und mehrfach besamten Sauen etwas höher. Es ist aber nicht für jeden Betrieb geeignet.

„FTI“ – eine PMSG-Alternative, die nicht für jeden Betrieb geeignet ist. (Foto: Folie Vortrag Prof. Kauffold/bpt-München 2017)

Prof. Kauffold betont, dass bei der FIT nur einwandfreies Sperma von fertilen Ebern verwendet werden darf – eben weil nur eine Besamung erfolgt. Falls die Spermaqualität fraglich ist, wäre auch eine zweite Besamung 12 bis 14 Stunden nach der ersten möglich.
In einem Versuch konnten die Leipziger zeigen, dass die Trächtigkeitsraten nach FIT (92,3%) nicht wesentlich schlechter sind als nach Verwendung von PMSG (93,1%).

Als Fazit steht fest: Es gibt durchaus sinnvolle Methoden zur Brunstsynchronisation von Sauen, die ohne die Anwendung von PMSG/eCG auskommen.

Hintergrund: Warum Brunstsynchronisation?

Die Brunstsynchronisation spielt in der Schweinehaltung aus mehreren Gründen eine besondere Rolle. Zu den Vorteilen gehören laut Professor Kauffold die bessere Planbarkeit von Arbeitsabläufen (z.B. Geburtsüberwachung) und ein effektiveres Hygienemanagement (Gruppen-Rein-Raus). Außerdem können so einheitlich große Ferkelgruppen aus einer Herkunft bereitgestellt werden. Solche Maßnahmen sollen unter anderem eine gute Tiergesundheit gewährleisten und so zu einem reduzierten Antibiotikaeinsatz beitragen.
Eine Zyklussteuerung beim Schwein ist deshalb nach wie vor beinahe unabdingbar, wenn gruppenweises Abferkeln angestrebt wird.
Gesucht sind also Alternativen zu eCG,  die zu einer ähnlich guten Synchronisation der Sauen führen.

Alle Berichte von wir-sind-tierarzt.de zum Thema PMSG finden Sie hier
Quelle:
Einen ausführlichen Artikel zu den PMSG-Alternativen und deren Anwendung finden Tierärzte in der (für Teilnehmer auch online zugänglichen) bpt-Kongressdokumentation

*Absatz redaktionell überarbeitet (13.11.2017)

Teilen
Über den Autor

Annegret Wagner

Dr. Annegret Wagner (aw) hat in Gießen Tiermedizin studiert und arbeitet seit 1991 in der Großtierpraxis; seit 2005 niedergelassen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Milchrind im Raum Rosenheim. Seit 2006 arbeitet sie auch als tiermedizinische Fachjournalistin. So hat sie für die VETimpulse die Nutztierthemen betreut und übernimmt diese Aufgabe auch bei wir-sind-tierarzt.de. Um nicht zum Mia-san-mia-Bayer zu mutieren, schaut sie intensiv über den Alpenrand hinaus, vorzugsweise ins englischsprachige Ausland. Kontakt: annegret.wagner(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)