Was wird aus Elanco: Verkauf oder Börsengang?

Der US-Pharmakonzern Lilly prüft die Zukunft der Tiergesundheitssparte Elanco: Börsengang – Fusion – Verkauf oder Fortführung? (Montage: WiSiTiA/jh)

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly stellt seine Tiermedizinsparte Elanco auf den Prüfstand. Das könne sowohl ein Börsengang, eine Fusion, ein Verkauf, aber auch die Weiterführung des Geschäftes sein, teilte Eli Lilly mit. Bis spätestens Mitte 2018 will man Klarheit schaffen. Elanco trägt mit 2,3 Mrd. Dollar weltweit rund 13 Prozent des Lilly-Konzernumsatzes bei.

(jh/PM) – Zur Ruhe kommt der Bereich der Tierpharmahersteller nicht. Seit 2010 vergeht kaum ein Jahr, ohne Planspiele von oder mit tatsächlich vollzogenen Übernahmen/Fusionen:

  • 2010 planten Sanofi-Aventis (Merial) und Merck & Co (MSD/Intervet/Schering-Plough) die Zusammenlegung ihrer Tiergesundheitsparten. Der Deal scheiterte an kartellrechtlichen Fragen.
  • 2012 spielte der US-Pharmakonzern Pfizer die strategischen Optionen für seine Tiergesundheitssparte durch.
  • Anfang 2013 brachte man diese dann unter dem neuen Namen Zoetis als eigenständigen Konzern an die Börse. Zoetis ist aktuell das weltgrößte Tierpharmaunternehmen.
  • 2014/2015 übernahm Eli Lilly (Elanco) den Novartis Animal Health-Bereich. 
  • 2014 kaufte Elanco auch noch die deutsche Lohmann Animal Health, ein im Vergleich kleiner Zukauf.
  • Ende 2015 kündigten Boehringer Ingelheim und Sanofi einen Tausch-Übernahme-Deal an: Die OTC-Human-Sparte von Boehringer gegen die Tierarzmittelsparte Merial von Sanofi  (Bericht hier).
  • 2016 wurde der Zusammenschluss von Boehringer Ingelheim Vetmedica und Merial umgesetzt und Anfang 2017 abgeschlossen. Dadurch ist der weltweit zweitgrößte Tierarzneimittelhersteller entstanden.
  • Elanco hat 2017 wiederum die Übernahme des US-Impfstoffgeschäftes für Kleintiere von Boehringer-Ingelheim Vetmedica abgeschlossen, dass diese im Zuge des Sanofi-Deals aus Kartellgründen abgeben musste.
  • Bis Mitte 2018 soll jetzt feststehen, was aus Elanco wird.

Elanco im „Schaufenster“

Die Nachrichtenagenturen interpretieren die von Lilly-Chef David Ricks angekündigte „strategische Überprüfung des Elanco-Tiergesundheitsgeschäftes“ eher als Verkaufsangebot: „Eli Lilly stellt seine Tiergesundheits-Sparte ins Schaufenster,“ schreibt etwa Reuters.
In der Lilly-Investorenmeldung liest sich das etwas vielfältiger: Man prüfe „strategische Alternativen für Elanco Animal Health, einschließlich eines Börsengangs, einer Fusion, eines Verkaufs oder der Aufrechterhaltung des Geschäfts“. Bis spätestens Mitte 2018 soll die Entscheidung fallen.

Wer wäre potentieller Elanco-Partner?

Bei einer „Partnerlösung“ durch Verkauf oder Fusion kämen dann wieder Bayer-Tiergesundheit oder Merck (MSD) ins Spiel. Beide waren durch die Boehringer-Merial-Fusion zuletzt etwas ins Hintertreffen geraten.
Bayer-Chef Werner Baumann hatte – so meldeten es Reuters oder auch das Handelsblatt vor einem Jahr – die Tiergesundheitssparte selbst in den Fokus gerückt. Man wolle wachsen, sollte das allerdings nicht gelingen, müsse man sich die Frage stellen, ob diese Geschäfte bei Bayer noch am besten aufgehoben seien.
Merck wiederum erklärte auf seiner aktuellen Quartalsbilanzpressekonferenz, man habe keine Spinoff- oder Verkaufsabsichten für die eigene Tiermedizinsparte. „Wir sehen Tiergesundheit als eine Säule des Wachstums“, sagte Merck-CEO Ken Frazier. Die erreichte im dritten Quartal erstmals einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar.*

Das Problem möglicher Megadeals: Je größer die beteiligten Player sind, desto schwieriger wird es, weil in immer mehr Regionen dann kartellrechtliche Probleme auftreten.

Elanco-Quartalszahlen

Im dritten Quartal 2017 lag der Elanco-Umsatz mit Tierarzneimitteln weltweit bei 740,6 Millionen US-Dollar und damit um fünf Prozent höher als im dritten Quartal 2016.
Allerdings zeigen die Zahlen auch einen Umsatzrückgang im Nutztierbereich. Er sank um sechs Prozent auf 488,4 Millionen US-Dollar, was unter anderem mit höherem Wettbewerbsdruck begründet wird.
Bei den Heimtieren wiederum verbesserten sich die Umsätze um 35 Prozent auf 252,2 Millionen US-Dollar. Darin enthalten sind aber Einnahme von 61,2 Millionen US-Dollar aus der Übernahme des Boehringer Ingelheims Vetmedica-Impfstoff-Portfolios für Katzen-, Hunde- und Tollwutimpfstoffe in den USA.
Lilly meldet: „Der Umsatzanstieg wurde teilweise durch Wettbewerbsdruck und niedrigere realisierte Preise kompensiert. Das Unternehmen erwartet, dass diese Belastungen sich im Jahr 2017 fortsetzen.“

Quellen:
Lilly Investor Relations Mitteilung
dpa-Meldung (via apotheke-adhoc.de)
Meldung der Nachichtenagentur Reuters

*Absatz zur Merck-Quartalspressekonferenz aktualisiert: 27.10.2017)

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Über den Autor

Jörg Held

Jörg Held (jh) ist Journalist, Kommunikationswirt und Redaktionsberater mit 30 Jahren Berufserfahrung. Seit 2007 auch im Bereich Tiermedizin unterwegs, davon 5 Jahre als Redaktionsleiter der VETimpulse. Auch bei wir-sind-tierarzt.de leitet er die Redaktion und ist schwerpunktmäßig für berufspolitische Themen und die Nachrichten verantwortlich. Kontakt: joerg.held(at)wir-sind-tierarzt.de
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