Mycoplasma bovis: Ausbruch schockt Neuseeland

Neuseeland ist größter Milchexporteur der Welt. erstmals wurde jetzt auf der Insel Mycoplasma bovis Infektionen nachgewiesen. (Foto: ©pixabay)

Eigentlich schafft es der weltweit verbreitete Erreger Mycoplasma bovis eher selten in die Schlagzeilen. Doch in Neuseeland reagierte sogar die Börse mit Währungsabschlägen auf einen Ausbruch bei Rindern. Der Grund: Durch die Insellage war das Land bisher frei von dem bakteriellen Erreger. Ein Beleg mehr, dass es für Tierseuchen keine Grenzen gibt.

(aw) – Der erste Nachweis von Mycoplasma bovis in der Geschichte Neuseelands erfolgte bei 14 Milchkühen auf einem Milchviehbetrieb in South Canterbury auf der Südinsel im Juli 2017. Kurzfristig hat die Nachricht vom Ausbruch der Krankheit sogar  die Landeswährung an den Börsen absacken lassen, da nicht ganz klar war, wie stark die Auswirkungen der Infektion für die neuseeländische Milchwirtschaft sein würde. Sie gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Neuseeland ist seit langem größter Milchexporteur der Welt und verkauft 90 Prozent seiner Produktion außer Landes. Der Milchverkauf sei aber nicht beeinträchtigt, sagt die Regierung.

Bisher „nur“ zwei Farmen betroffen

Die Farm mit den infizierten Kühen gehört zur Van Leeuwen-Gruppe. Die betreibt auf der Südinsel 16 Milchviehbetriebe mit insgesamt 12.550 Kühen. Mittlerweile sind in einem weiteren Betrieb der Gruppe infizierte Tiere gefunden worden, doch nach Angaben des zuständigen Ministry of Primary Industries (MPI, u.a. zuständig für Landwirtschaft) sei die Situation unter Kontrolle.
Sämtlichen Farmen der Gruppe wurde der Tiertransport untersagt. Einzige Ausnahme sind Kühe, die zur Schlachtung gehen sollen. Bis zum zweiten August wurden 25 Kühe aus der ersten Herde getötet und weitere 125 infizierte Tiere werden wohl nach Aussage des Besitzers Aad Van Leeuwen noch euthanasiert werden. Van Leeuwen hofft, dass so die Durchseuchung seiner Herden erschwert wird.

Infizierte Tier tragen Bakterien lebenslang

Mykoplasmen sind sehr kleine Bakterien ohne Zellwand, die ihre Gestalt verändern können. Sie leben aerob bis fakultativ anaerob intra- und extrazellulär. Mycoplasma bovis wurde bereits im Jahr 1898 aus kranken Kühe isoliert und beschrieben. Mykoplasmen können bei Kühen zu behandlungsresistenten Mastitiden führen, außerdem können sie schwere Pneumonien, Aborte, Gelenkschwellungen und Arthritiden bei Kühen verursachen, sowie Ohrinfektionen bei Kälbern. Einmal infizierte Kühe tragen die Bakterien lebenslang in sich.

Zäune sollen Tierkontakt verhindern

Geoff Gwyn, Pressesprecher des Ministeriums rät den Landwirten, Aspekte zur Biosicherheit zu beachten. Dazu gehört auch die Errichtung zusätzlicher Zäune, um sicher einen direkten Tierkontakt zwischen einzelnen Herden auszuschließen.
Auf der Südinsel werden nun zunächst alle Van Leeuwen-Betriebe sowie unmittelbar benachbarte Farmen und bereits identifizierter Kontaktbetriebe getestet. So lange dürfen keine Tiere zwischen den einzelnen Standorten ausgetauscht werden. Dr. Chris Rodwell, der örtliche Vertreter des MPI betont, dass zunächst das genaue Ausmaß der Infektion bestimmt werden muss. Dazu versuchen die Behörden neben den Probenentnahmen auf den Betrieben auch Tierbewegungen zu rekonstruieren, um ein möglichst genaues Bild der Übertragungsmöglichkeiten zu bekommen.
Bis 4. August wurden 1.200 Proben untersucht, neun benachbarte Farmen, waren bisher negativ. Ziel ist es, die Infektion einzugrenzen und möglichst in Neuseeland auch wieder auszumerzen.

wir-sind-tierarzt.de meint: Biosicherheit auch für Rinder wichtig

(jh) – Im Vergleich etwa zur Afrikanischen Schweinepest (ASP), für die es keine Behandlungsmöglichkeit gibt, ist Mycoplasma bovis als vergleichsweise harmlos einzustufen. Aber das Beispiel Neuseeland mit seiner privilegierten Insellage zeigt, dass sich selbst dann Ausbreitung – und auch ein Ausbruch – von Krankheiten kaum verhindern lassen. Zu verflochten sind inzwischen die weltweiten Waren- und Reiseströme.
Es gilt also, dies durch Wachsamkeit und größtmögliche Biosischerheit so lange wie möglich hinauszuzögern. Und zwar nicht nur dann, wenn – wie aktuell bei ASP – alle Medien warnen und die Sensibilität hoch ist.
Tierärzte und Tierhalter müssen deshalb auch bei Rinderhaltungen verstärkt auf Hygiene – und ungewöhnliche/unklare Krankheitssymptome achten. Das gilt etwa für die sich vom Balkan aus nähernde Lumpy Skin Desease

Quellen:
Landwirtschaftsministerium Neuseeland
und im Artikel verlinkt

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