Risiko für Schweinepest „hoch“ (Teil 1)

afrikanische Schweinepest tschechische Republik 2017 bafrikanische Schweinepest tschechische Republik 2017 b

Die Tschechische Republik meldete am 27. Juni 2017 erstmals Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Wildschweinen in der Grenzregion zur Slowakei. Die Ausbreitung erhöht das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland. Das FLI hat aktuell das Risiko für Deutschland neu bewertet. Vor allem illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material werden als „hoch“ eingeschätzt.

von Henrik Hofmann

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung und ist fast immer tödlich! Eine Einschleppung nach Deutschland hätte schwere Folgen für die Gesundheit heimischer Wild- und Hausschweinebestände und die landwirtschaftliche Produktion. Daher besteht Anzeigepflicht. Eines vorweg: Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht!

Langsame Ausbreitung

Ursprünglich war die hochansteckende Tierseuche nur auf Afrika begrenzt war. Im Juni 2007 wurden erste Fälle der ASP aus Georgien gemeldet. In der nachfolgenden Zeit breitete sich die Tierseuche dort aus und wurde in die Nachbarländer Armenien, Aserbaidschan und die Russische Föderation (RF) eingeschleppt, so das Friedrich-Löffler-Institut (FLI). Bereits Ende 2012 waren 426 Ausbrüche der Tierseuche bei Haus- und Wildschweinen in vielen Regionen des europäischen Teils der RF aufgetreten. In der Zeit von 2012 bis 2014 hat sich die ASP mit Einträgen in die Ukraine (Haus- und Wildschweine), nach Weißrussland (Hausschweine in Kleinhaltungen, Lage beim Wildschwein unbekannt) und in die EU-Mitgliedsstaaten Litauen, Polen, Lettland und Estland in Richtung Westen und Norden ausgebreitet. Die Tschechische Republik meldete erste Fälle von ASP bei Wildschweinen in der Grenzregion zur Slowakei am 27. Juni 2017. Dies verdeutlicht, dass sich die Krankheit in Richtung Deutschland ausbreitet, bisherige Vorkehrungsmaßnahmen haben nicht gegriffen.

INFO:

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Allgemeinerkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine) mit seuchenhaftem Verlauf, hoher Morbidität und hoher Sterblichkeit. Die hochvirulente Viren der ASP verursachen hohes Fieber, Appetitverlust sowie Hämorrhagien in der Haut und an den inneren Organen. Der Tod tritt üblicherweise nach 2 – 10 Tagen ein. Die Mortalität kann bis zu 100 % betragen. Für die in der RF, in den baltischen Staaten und Polen zirkulierenden Isolate wurde eine nahezu 100-prozentige Mortalität festgestellt. Bisher gibt es keine Anzeichen für eine Attenuierung des Virus. ASPV wird in allen Körperflüssigkeiten und Geweben infizierter Tiere gefunden.

Für den Menschen und andere Haustierarten ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.

Die Afrikanische Schweinepest ist anzeigepflichtig und kann klinisch nicht von der Klassischen Schweinepest (KSP) unterschieden werden. Eingeschleppt in nicht verseuchte Gebiete verläuft die Erkrankung bei Schweinen verheerend und ist mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden. Neben der Tötung und unschädlichen Beseitigung aller Schweine des betroffenen Betriebes sowie seiner Kontaktbetriebe werden großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet. Solche „Keulungsaktionen“ werden vor allem von Veterinärämtern und Tierärzten durchgeführt. 

Ein Impfstoff ist nicht verfügbar. Die Verhütung der Einschleppung basiert auf Einfuhrverboten, mit denen sichergestellt werden soll, dass weder infizierte Schweine (dies gilt auch für Wildschweine) noch kontami- niertes Fleisch, Fleischerzeugnisse, Fleischzubereitungen oder Nebenprodukte infizierter Tiere eingeführt werden.

In Anbetracht der neu aufgetretenen Fälle in der Tschechischen Republik und der weiten geographischen Verbreitung der gemeldeten Ausbrüche auf dem Territorium der RF, Ukraine, Litauen, Polen, Lettland und Estland bei Haus- und Wildschweinen wurde das Risiko einer Einschleppung der ASP nach Deutschland durch Fahrzeug- und Personenverkehr bewertet, besonders im Hinblick auf einen Eintrag in die deutsche Wildschweinpopulation. Der Sprung der ASP über eine größere Entfernung in die Tschechische Republik erhöht das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland.

Hohes Risiko

Problem: Hohe Wildschweindichte

Das Risiko, dass die ASP zunächst in die deutsche Wildschweinpopulation eingeschleppt wird, erscheine vor dem Hintergrund „der neu aufgetretenen Fälle in der Tschechischen Republik und der Situation in den balti- schen Staaten und Polen“ größer als ein Ersteintrag in die Hausschweinpopulation, so das FLI. Hierbei stellen hohe Wildschweindichten bei gleichzeitiger ausgeprägter Hausschweinehaltung mit niedriger Biosicherheit in unseren östlichen Nachbarländern und die sehr gut ausgebildete Verkehrsinfrastruktur (Fernstraßennetzwerk, Schiff- fahrtsstraßen und Wasserwege, Eisenbahnen und Flugverkehr) und damit einhergehende Anbindung an Deutschland die entscheidenden Risikofaktoren dar.

Hohes Risiko durch „illegale Verbringung und Entsorgung“

Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontami- niertem Material wird als hoch eingeschätzt. Das Risiko des Eintrags durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines „worst case scenario“ als hoch bewertet. Das Risiko einer Einschleppung durch den Jagdtou- rismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen wird als mäßig eingeschätzt. Das Risiko eines Eintrags der ASP durch direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen wird als mäßig beurteilt. Der Nachweis der ASP bei bisher 25 toten Wildschweinen (Stand: 11.07.2017) in der Tschechischen Republik, in einer Region, die 400-500 km von den nächsten bekannten Verbreitungsgebieten entfernt liegt, so das FLI weiter, deutet auf eine Verbreitung durch den Menschen hin. Einige der verendeten Wildschweine seien nahe einer großen Straße, die zur Autobahn führt, am Rand der Stadt Zlín gefunden….

Risikobewertung laut FLI: „hoch“

  • Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt.
  • Das Risiko des Eintrags durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines „worst case scenario“ als hoch bewertet.
  • Das Risiko einer Einschleppung durch den Jagdtourismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen wird als mäßig eingeschätzt. Das Risiko eines Eintrags der ASP durch direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen wird als mäßig beurteilt.

Ein Mitarbeiter der Bayerischen Autobahnpolizei berichtete gegenüber wir-sind-tierarzt.de, man finde in LKWs, die quer durch Europa reisten, immer wieder ganze Schweinehälften oder Fleischwaren, von denen sich die Fahrer auf ihrer lange Reise ernährten. „Die gammligen Reste werden dann häufig in den Wald geworfen…“ Sind diese Reste mit dem Virus kontaminiert, ist die Ansteckung von Wildschweinen sehr wahrscheinlich.

Quellen:

Teilen
Über den Autor

Dr. Henrik Hofmann

Dr. Henrik Hofmann (hh) betreibt seit 1995 eine eigene Tierarztpraxis in Butzbach. Er ist Fachtierarzt für Allgemeine Veterinärmedizin und hat die Zusatzbezeichnung Akupunktur. (www.tierundleben.de) Als Autor und Redakteur hat Hofmann in etlichen Zeitschriften und Zeitungen rund ums Tier geschrieben. Bei wir-sind-tierarzt.de betreut er schwerpunktmäßig Medizinthemen, den Bereich Praxismanagement und die Rubrik Mensch-Tierarzt. Außerdem steuert er die SocialMedia-Aktivitäten und leitet die Bildredaktion. Zuletzt ist sein Buch „Tieren beim Sterben helfen – Euthanasie in der Tierarztpraxis“ erschienen. Kontakt: henrik.hofmann(at)wir-sind-tierarzt.de
Web Design MymensinghPremium WordPress ThemesWeb Development

Wildtiere: Hilfe kann auch Leid bedeuten

9. März 20169. März 2016
Ein Faltblatt gibt Tipps zum Umgang mit Wildtieren. (©Landestierschutzbeauftragte Hessen / Erni/Fotolia.com)„Wildtiere brauchen in den aller seltensten Fällen menschliche Hilfe," sagt die Landestierschutzbeauftragte Hessen. Was tun kann, wer ein Wildtier findet – oder aber auch besser lassen sollte – erklärt ein Flyer, den Dr. Madeleine Martin zusammen mit der Landestierärztekammer Hessen herausgegeben hat. (mehr …)