Druse beim Pferd – eine kurze Übersicht

Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von Druse (Beispiele hier und hier). Der aid-Infodienst für Landwirtschaft und Ernährung hat einen kurzen Informationstext über Symptome und Therapie veröffentlicht, den wir hier wiedergeben. Weitere Fachinformationen sind am Textende verlinkt.

(aid/PM) – Die Druse ist eine durch das Bakterium Streptococcus equi hervorgerufene, hochansteckende und schmerzhafte Erkrankung des Pferdes. Grundsätzlich können alle Tiere jeden Alters betroffen sein. Insbesondere bei hoher Besatzdichte im Stall, während der kühlen Jahreszeit und in Ställen mit häufigem Einstellerwechsel oder überdurchschnittlich hohen Kontaktraten zwischen den Pferden tritt diese weltweit verbreitete Infektionskrankheit der Atemwege vermehrt auf.

Klinik – eitrige Entzündungen der Lymphknoten

Klinisch äußert sich Druse vor allem als eitrige Entzündung der Lymphknoten im Kopfbereich (Unterkiefer, Ganaschen) mit einhergehender Schwellung. Weitere Symptome erkrankter Pferde sind der grünlich-gelbe Nasenausfluss, Fieber, Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit und Husten. Die Lymphknoten sind das Zielorgan der Druse-Bakterien und füllen sich durch die Reaktion auf den Erreger mit Eiter.

Die Lymphknoten können so vergrößert und schmerzhaft sein, dass der Kehlkopf und die Luftröhre verengt werden und die Pferde an Atemnot leiden. Erkrankte Tiere halten häufig Kopf und Hals gesenkt, um die luftführenden Atemwege zu entlasten. Nach einiger Zeit platzen die geschwollenen Lymphknoten auf, und es entleert sich meist cremig-gelblicher Eiter. Dieser ist stark erregerhaltig. Der Erreger wird überwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen, aber auch durch kontaminiertes Futter, Wasser, Einstreu oder Kleidung des Pflegepersonals.

Tiere, die vor dem Ausbruch der Erkrankung bereits Kontakt mit dem Erreger hatten und teilweise eine Immunität ausbilden konnten, zeigen häufig einen leichteren Krankheitsverlauf. In einigen wenigen Fällen besiedeln die Druse-Bakterien auch Brust- und Bauchhöhle oder das Gehirn des Pferdes. Diese als metastatische Druse bezeichnete Erkrankung kann sogar zum Tod des Tieres führen.

Schnell Schmerzen lindern

Bei Verdacht auf Druse sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden. Gleichzeitig müssen die Schmerzen der Pferde gelindert, sekundäre Komplikationen verhindert sowie die Ausbreitung der Bakterien im Bestand limitiert werden. Die betroffenen Tiere sollten für einen Zeitraum von ca. sechs bis acht Wochen isoliert sowie unter strengsten Hygiene- und Desinfektionsbedingungen gehalten werden.

Antibiose nicht zwingend

Die Behandlung der Druse ist nicht unumstritten. In der Mehrzahl der Fälle ist eine antibiotische Therapie nicht erforderlich. Ziel aller Maßnahmen ist die Eröffnung der Lymphknoten, um den Erreger aus dem Körper zu entfernen. Zur Förderung der Abszessreifung sind Einreibungen und warme, auf die geschwollenen Regionen aufgebrachte Kompressen häufig das Mittel der Wahl. Sobald die Lymphkonten weich sind, sollten sie vom Tierarzt eröffnet werden. Hat sich der Eiter entleert, genesen die meisten Pferde in der Regel ohne Probleme innerhalb weniger Tage bis Wochen ohne bleibende Schäden. Dennoch können die Tiere noch für weitere Wochen infektiös sein. Deshalb sollten sie erst wieder in den Bestand integriert werden, wenn sie labordiagnostisch anhand von Nasentupferproben als Nichtausscheider bestätigt wurden.

Als Komplikationen nach der akuten Phase können Herzmuskelentzündungen, Phlegmonen, Kehlkopfpfeifen, Atemgeräusche, Blutarmut oder eitergefüllte Luftsäcke auftreten.

Prophylaxe und Impfung

Um eine Einschleppung der Druse in einen Pferdebestand zu verhindern, schreibt die Tierseuchenkasse Sachsen, sollten neu einzustallende Tiere für zwei bis drei Wochen isoliert gehalten und täglich auf Druse-Symptome untersucht werden (Nasenausfluss, Husten, geschwollene Lymphknoten, Fieber). Sicherheit ist gegeben, wenn von diesen Pferden Nasentupfer im Labor auf den Druse-Erreger mit negativem Befund untersucht werden.
Ein kommerziell erhältlicher Druse-Impfstoff ist verfügbar, der in die Innenseite Lippe gespritzt wird. Nach den Leitlinien zur Impfung von Pferden des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte e. V., ist der Einsatz dieser Vakzine allerdings ausschließlich als Notfallmaßnahme zur Verringerung der klinischen Symptome bei akut infektionsgefährdeten Pferden zu empfehlen. Die prophylaktische Impfung nicht akut infektionsgefährdeter Tiere wird nicht empfohlen.

Quelle: Anke Klabunde/aid-Newsletter (der Text ist noch nicht online verfügbar), www.aid.de
weiterführende Informationen:
Aufklärungs-PDF der Pferdeklinik an der Uni München (LMU) (PDF-Download)
Informations-PDF der Pferdeklinik der Vetmed-Uni Wien (PDF-Download)

 

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